Diskussion um die Strompreiserhöhungen

Steuersprudel, neben den großen Stromkonzernen fließt dem Finanzminister der größte Batzen der Strompreiserhöhung zu / Bild: HB
Steuersprudel, neben den großen Stromkonzernen fließt dem Finanzminister der größte Batzen der Strompreiserhöhung zu / Bild: HB

(WK-intern) – Hildegard Müller zur aktuellen Diskussion um die Strompreiserhöhungen

Zur aktuellen Diskussion, die zum Jahreswechsel angekündigten Strompreiserhöhungen der Energieunternehmen seien angeblich nicht gerechtfertigt, erklärt Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW):

Berlin – “Die aktuell laufende Diskussion zu den angekündigten Strompreiserhöhungen nimmt haarsträubende Züge an. Es gibt nicht DEN Strompreis. Fakt ist, dass es in Deutschland rund 1.100 Stromunternehmen mit ganz unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten gibt. Diese Unternehmen stehen in einem harten Wettbewerb um Kunden. Jedes Unternehmen verfolgt in diesem Wettbewerbsmarkt individuelle Strategien. Die Strompreise und Teile davon wie beispielsweise die Beschaffungskosten sind daher unterschiedlich hoch. Der Anteil am Strompreis, den die Unternehmen direkt beeinflussen können, wird allerdings immer kleiner. In diesem Jahr sind bereits rund 68 Prozent der Stromrechnung von Haushaltskunden nicht mehr durch die Vertriebsunternehmen beeinflussbare Kosten, da es sich um staatliche Steuern und Abgaben sowie regulierte Netzentgelte handelt. Dieser Anteil steigt seit Jahren aufgrund der politischen Vorgaben massiv an. Gerade die politisch Verantwortlichen sollten zu ihren Entscheidungen stehen, diese in der Öffentlichkeit erläutern und die Verantwortung für die Folgen nicht einfach auf die Energieversorger abwälzen.

Die aktuell erhobenen Vorwürfe sind populistisch und wenig hilfreich zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende, die ohne die Akzeptanz der Kunden nicht gelingen wird. Dafür brauchen wir aber eine Diskussion mit fundierten und sachlich orientieren Informationen. Dies vermisse ich. Alle Beteiligten, auch die Verbraucherschützer, sollten endlich auch Verantwortung bei der Diskussion zur Energiewende übernehmen anstatt die Verbraucher mit pauschalen und fragwürdigen Hochrechnungen zusätzlich zu verunsichern.

Es wird behauptet, die Preise bei der Beschaffung an der Strombörse EEX seien für die Stromunternehmen seit Monaten niedriger und dies werde nicht ausreichend an die Kunden weitergegeben. Die Preisbildung ist jedoch viel komplizierter. So wird fälschlicherweise ein Börsen-Tiefpreis angenommen und zu 100 Prozent auf den gesamten Strompreis hochgerechnet. Wie jeder Experte, der sich seriös mit dem Thema Energie befasst, weiß, entspricht dies nicht dem Marktgeschehen und ist vollkommen unrealistisch. Tatsache ist, dass die Energieversorger ihren Strom 6 bis 36 Monate im Voraus in ganz unterschiedlichen Tranchen einkaufen. Diese Beschaffungsstrategie glättet kurzzeitige Preisentwicklungen und schützt die Verbraucher vor kurzfristigen Ausschlägen beim Strompreis. Dies hat sich seit Jahren bewährt. Aufgrund dieses Beschaffungsverhaltens ist jedoch auch klar, dass gesunkene Börsenpreise beispielsweise aus dem vergangenen Jahr sich nur zu einem Teil und zeitverzögert in den aktuellen Strompreisen widerspiegeln. Der Anteil von Großhandel, Vertrieb und Service am Strompreis eines Haushaltskunden beträgt derzeit im Durchschnitt 32 Prozent.

Der Teil des Strompreises, der in ganz Deutschland steigen wird, sind die staatlichen Steuern und Abgaben. Mit der Summe von über 30 Milliarden Euro plus Mehrwertsteuer könnte der Anteil der staatlichen Steuern und Abgaben am Strompreis im kommenden Jahr den historischen Höchstwert von rund 50 Prozent (2012: 45 Prozent) erreichen. Das ist 13 Mal mehr als noch 1998, dem Jahr der Liberalisierung des deutschen Strommarktes. In 2012 werden sich die Staatslasten am Strompreis bereits auf etwa 23,8 Mrd. Euro summieren. Dabei sind die Belastungen aus der Mehrwertsteuer für mehrwertsteuerpflichtige Stromkunden noch nicht berücksichtigt.

Dazu tragen folgende Entwicklungen bei: Die EEG-Umlage, mit der alle Stromkunden die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien fördern, wird 2013 um 47 Prozent steigen. Sie wird sich von derzeit 3,592 auf 5,277 Cent pro Kilowattstunde (Ct/kWh) im kommenden Jahr erhöhen. Die Umlage nach Paragraph 19 der Stromnetzentgelt-Verordnung, mit der die Verbraucher die Befreiung der stromintensiven Unternehmen von den Netzentgelten bezahlen, wird sich 2013 mit 0,329 Ct/kWh gegenüber 2012 (0,151 Ct/kWh) mehr als verdoppeln. Die Umlage aus dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWK-G) zur finanziellen Förderung der umweltfreundlichen Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung wird von 0,002 Ct/kWh auf 0,126 Ct/kWh angehoben. Hinzu kommt die neue Offshore-Haftungsumlage. Mit all diesen Erhöhungen wird automatisch auch der Anteil der Mehrwertsteuer, die auf den Strompreis erhoben wird, steigen.

Darüber hinaus werden sich im Durchschnitt auch die Netzentgelte erhöhen. Dies hängt direkt mit dem rasanten Ausbau der Erneuerbaren Energien, dem damit erforderlichen Ausbau der Stromnetze und den stark gestiegenen Eingriffen zur notwendigen Netzstabilisierung zusammen. Der Anteil der Netzentgelte am Strompreis für Haushaltskunden liegt derzeit bei durchschnittlich 23 Prozent.

PM: BDEW

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