Energiegenossenschaften formieren sich beim ersten Bundestreffen

(WK-news) – Erstes Bundestreffen der deutschen Energiegenossenschaften am 19.11.2012

Die dezentralen Stromerzeuger in Deutschland formieren sich. Zum ersten Mal treffen sich alle Energiegenossenschaften und Bürgerenergieprojekte in Berlin, um durch ein Netzwerk die dezentrale Energieerzeugung zu stärken und die Energiewende unumkehrbar zu machen.

Die Initiative dazu geht neben mir von den Unionsabgeordneten Josef Göppel (Franken), Ingbert Liebing (Schleswig-Holstein) und der Brandenburger SPD-Abgeordneten Waltraud Wolff aus.

Organisatorisch trägt der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband die Veranstaltung. Bei diesem Treffen werden unterschiedliche Bürgerbeteiligungs-modelle vorgestellt − von dörflichen und städtischen Energieerzeuger-Genossenschaften über Stadtwerke und Bürgernetze bis hin zur regionalen Nutzung und Vermarktung des selbsterzeugten Stroms. Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier wird den Teilnehmern zur Diskussion zur Verfügung stehen.

Ziel des Kongresses ist es, alle bundesweiten Bürgerbeteiligungsmodelle zusammenzubringen und ein Netzwerk zu begründen, das den Kleinerzeugern in den Debatten der Energiewende eine wirkungsvollere Stimme verschafft.

Die deutsche Bevölkerung greift die Chancen der Energiewende aktiv auf: Seit 2005 haben sich über 80.000 Bürger in rund 600 Energiegenossenschaften zusammengeschlossen – das ist die konsequenteste Form der Bürgerbeteiligung mit dem Prinzip des gleichen Stimmrechts für alle. Darüber hinaus gibt es weitere Formen des genossenschaftlichen Engagements, die ebenfalls auf dem Kongress vorgestellt werden. Ihnen allen ist gemein, dass sie die Energiewende dezentral gestalten und die Wertschöpfung in der jeweiligen Region halten.

Ermöglicht wird das durch einen historischen Entwicklungsschub, der die technologischen Grundlagen des Lebens in Richtung Dezentralität und Kleinteiligkeit verändert: Durch das Zusammentreffen neuer Informationstechno-logien mit erneuerbaren Energien können Millionen Menschen von passiven Energiekonsumenten zu eigenverantwortlichen Akteuren in der Wirtschaft werden. Das Einkommen aus der Energieproduktion fließt nicht mehr in anonyme Aktienpakete, sondern kommt Landwirten, Hausbesitzern, Handwerkern und vie-len Privatleuten zugute, die sich an Windrädern und Solaranlagen beteiligen oder diese vor Ort installieren und warten. Das ermöglicht eine breite Eigentumsstreuung im Energiebereich und stärkt so die Mittelschichten der Gesellschaft.

In den Städten ist Solarstrom die einzige erneuerbare Energie, die leicht angewendet werden kann und direkten Eigenverbrauch ermöglicht. Photovoltaik weist keine mechanisch beanspruchten Teile auf und durch die Direktbelieferung von Mietern wird eine Durchleitung durch Hoch- und Höchstspannungsnetze überflüssig. Das entlastet die Landschaft vom Netzausbau. In Verbindung mit dem kostenfreien Betriebsstoff Sonne können mehr Dachflächen in den Städten marktwirtschaftlich tragfähig zur Energieversorgung genutzt werden.

Auch das Leben auf dem Land bekommt durch die dezentrale Energiewende eine neue ökonomische Basis. Junge Menschen sehen dort wieder Perspektiven. Durch die regionale Versorgung mit Energie bilden sich neue Stadt-Land-Partnerschaften, die das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Region stärken. Denn nur auf dem Land lassen sich Wind und Biomasse nutzen und tragen so zur Stabilisierung der Stromversorgung bei. Biomasse kann an die Nachfrage angepasst werden und helfen, Lücken in der Stromproduktion durch Sonne und Wind zu überbrücken.

Insgesamt fördert die Dezentralisierung eine stabilere Stromversorgung. Die Gesellschaft ist nicht mehr von wenigen Großkraftwerken abhängig oder steigen-den Rohstoffkosten und Unsicherheiten im Import ausgeliefert, sondern kann flexibel und selbstbestimmt reagieren. Außerdem tragen die erneuerbaren Ener-gien mittelfristig zur Verbilligung des Stroms bei. Zwar erfordern sie hohe An-fangsinvestitionen, doch der „Brennstoff“ bei den Hauptenergieträgern Wind und Sonne kostet nichts. Und bei einer Regionalisierung der Versorgung werden we-niger Höchstspannungsleitungen erforderlich – auch das spart Kosten.

Diese Aspekte machen erneuerbare, dezentrale Energieversorgung besonders für Entwicklungsländer interessant. Deutschland hat als weltweiter Vorreiter bei der Energiewende einen Vorsprung, der in der Entwicklungszusammenarbeit und im Außenhandel große Potenziale bietet und zugleich Chancen für die Bevölkerung in diesen Ländern schafft. Erneuerbare Energien eröffnen den Menschen auf dem Land wirtschaftliche Perspektiven und wirken so der weiteren Slum-Bildung entgegen. Ein entschlossenes Weiterführen der Energiewende stärkt deshalb die Chancen Deutschlands auf dem Weltmarkt und sichert unsere wirtschaftliche Zukunft.

Veranstaltungsort: Haus der DZ Bank, Pariser Platz 3 Berlin
Termin: 19. November 2012, von 11:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Hier geht es zur Einladung: http://www.hans-josef-fell.de/content/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=753&Itemid=77

PM: Hans-Josef Fell MdB

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