Sicher durch den Winter – Gasantrieb und Hybridfahrzeuge gewinnen an Bedeutung

Eröffnung einer E-Tanksäule / Pressefoto: TÜV SUD
Eröffnung einer E-Tanksäule / Pressefoto: TÜV SUD

(WK-intern) – TÜV SÜD: Sicher durch den Winter mit Gas, Diesel, E10 und Hybrid

München – Längst fahren Autos nicht nur mit Benzin und Diesel.

Der Gasantrieb gewinnt an Bedeutung. Das gleiche gilt für Hybridfahrzeuge und Start/Stopp-Anlagen.
Wintertauglich sind diese neuen Techniken natürlich alle. Dennoch gilt es ein paar Punkte zu beachten.
TÜV SÜD hat eine Reihe von Tipps für die Fahrer alternativer Antriebe und Kraftstoffe zusammengestellt.

Mit Flüssiggas versuchen viele Autofahrer, den ständig steigenden Spritpreisen ein Schnippchen zu schlagen. Rund 456 000 Autos waren laut Kraftfahrt-Bundesamt zu Jahresanfang mit einer Anlage dafür ausgestattet. Das entspricht zwar nur rund einem Prozent des Gesamtbestandes an Personenwagen in Deutschland, doch der Anteil steigt überdurchschnittlich. Erdgas ist – obschon noch günstiger – mit nur 75 000 Autos oder 0,17 Prozent offensichtlich weniger beliebt. „Beide Kraftstoff-Systeme verlangen jedoch etwas Umsicht, damit es bei Kälte nicht zu Problemen kommt“, sagt Eberhard Lang von TÜV SÜD.

LPG: Es trägt verschiedene Namen. Neben dem verbreiteten Begriff Autogas wird es auch als Flüssiggas oder mit der Abkürzung LPG für das englische Liquified Petroleum Gas bezeichnet. Es ist eine Mischung aus Propan und Butan. Und das Mischungsverhältnis entscheidet über die Wintertauglichkeit. „Butan hat einen vorteilhaft hohen Energieinhalt, ist aber unter null Grad nicht mehr zu gebrauchen“, erklärt Lang. Ist der Anteil zu hoch, kann es zumindest zu Startschwierigkeiten kommen. Bei Kälte sei ein hoher Anteil von Propan nötig, obwohl dies weniger Energie pro Kilogramm liefere. Die meisten Gaslieferanten berücksichtigen dies rechtzeitig zum Winter. Problematisch kann das Tanken in südlichen Ländern bei anschließender Heimfahrt ins kalte Deutschland werden. Auch an wenig frequentierten Tankstellen empfiehlt sich eine Nachfrage, ob denn schon „Wintergas“ im Tank sei.

Erdgas: Ob CNG für Compressed Natural Gas, Naturgas oder Methan – gemeint ist immer der gleiche Kraftstoff. Er ist nicht in Autos für Flüssiggas anwendbar, hat auch nicht die prinzipiellen Nachteile, die Butan im Winter bereiten kann. Erdgas geht immer. Allerdings benötigen viele Erdgasautos zum Starten Benzin. „Der Fahrer sollte also darauf achten, dass der zusätzliche Benzintank stets gut gefüllt ist“, sagt Eberhard Lang. Ist nur wenig Benzin darin, kann sich im nassen Winterklima leicht Kondenswasser bilden, was Startschwierigkeiten zur Folge hat. Umgekehrt raten manche Autohersteller, den Benzintank hin und wieder ganz leer zu fahren – bei genügend Gasvorrat. Dazu einfach von Hand auf Benzinbetrieb umschalten. Nach dem Leerfahren das Volltanken nicht vergessen! Apropos Tanken: Bei Kälte passt etwas mehr Erdgas in die Tanks. Das ist physikalisch bedingt.

E10: Bei vielen Autofahrern ist es unbeliebt, doch für den Winter genauso geeignet wie klassisches Super. „Die theoretisch leicht niedrigere Zündwilligkeit von Ethanol spielt bei der geringen Beimischung keine Rolle“, sagt Lang.

E85: Anders sieht es bei höheren Anteilen von Ethanol aus. E85 mit einem Anteil von 85 Prozent Ethanol und 15 Prozent Benzin ist in Skandinavien weit verbreitet. Weil auch in Deutschland inzwischen Autos mit dafür ausgelegten Motoren verkauft werden, gibt es hierzulande rund 340 Tankstellen für diesen umweltfreundlichen Kraftstoff. Ethanol – auch als Alkohol bekannt – erschwert den Kaltstart. Im Winter mischen die Kraftstoffhersteller deshalb zehn Prozent mehr Benzin in den Sprit, also insgesamt 25. Um die Autofahrer nicht zu verwirren, bleibt die Bezeichnung E85 auch in der kalten Jahreszeit. Ist das Auto bei strenger Kälte trotzdem unwillig, kann man jederzeit auch reines Benzin tanken. Die Motoren sind auch für diesen Betrieb ausgelegt.

Diesel: Der Tipp ist nicht aus der Welt zu kriegen und es ist dennoch ein sehr schlechter Rat – das Beimischen von Benzin oder Petroleum zur Winterzeit in den Kraftstoff für die 28 Prozent Diesel im deutschen Pkw-Bestand. Erstens ist das heute nicht mehr nötig, denn die Raffinerien sorgen schon von sich aus für die Fließfähigkeit bis unter minus 25 Grad. „Und dann ist Benzin ausgesprochen schädlich für moderne Diesel“, sagt TÜV SÜD-Experte Lang. Es schmiert nicht so gut wie Diesel und kann zum Beispiel Pumpe/Düse-Einspritzanlagen schaden. In extrem kalten Regionen wie im hohen Norden oder in alpinen Gebieten ist der Sprit sogar für die noch tieferen Temperaturen ausgelegt. Dagegen fließt in südlichen Regionen Europas möglicherweise Sommerdiesel aus den Zapfsäulen. Wer beispielsweise in Florenz volltankt, sollte die hohe Reichweite seines Diesel nicht ausnutzen und vor dem Brenner mit dem dort ausgeschenkten Winterdiesel nachfüllen.

Start/Stopp: Die erste Fahrt bei Kälte beunruhigt manchen Besitzer eines neuen Autos mit Start/Stopp-Anlage. So stellt sich der Motor erst viel später zum ersten Mal ab, oder womöglich gar nicht. „Das ist ganz normal“, beruhigt Eberhard Lang von TÜV SÜD.

„Die Anlage beginnt erst ab einer bestimmten Motortemperatur zu arbeiten, und die wird im Winter später erreicht. Wenn die Batterieladung unter eine bestimmte Grenze fällt, wird der Motor gar nicht mehr abgestellt.“ Bei den vielen zusätzlichen Stromverbrauchern wie der heizbaren Heckscheibe oder Sitzheizung könne das regelmäßig passieren.

Hybrid: Ähnlich wie bei der Start/Stopp-Anlage reagieren auch Hybridfahrzeuge bei Kälte anders. Erhöhter Bedarf an Wärme für die Heizung oder an Strom für elektrische Verbraucher lässt den Verbrennungsmotor öfter und länger laufen.

PM: Vincenzo Lucà

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