Österreich: Umweltschützer kritisieren Klimaschutz-Preisverleihung an Verbund

(WK-news) -Verbund klimaschädlichster Stromkonzern Österreichs

UmweltschützerInnen kritisieren Klimaschutz-Preisverleihung an Konzern, der weiter Kohlekraftwerke baut

Wien – In der vergangenen Woche erhielt der bekannte österreichische Stromkonzern Verbund eine internationale Auszeichnung für Klimaschutz.

Für Johannes Wahlmüller, Klima- und Energieexperte von GLOBAL2000, ist das mehr als zynisch: „Der Verbund ist mittlerweile jener Stromproduzent in Österreich geworden, der die meisten klimaschädlichen Treibhausgase emittiert. In der Türkei errichtet der Verbund ein Braunkohlekraftwerk, dass soviel Treibhausgase emittieren wird, wie Österreich über das Klimaschutzgesetz insgesamt einsparen will. In Zahlen umgelegt sind das 3,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, die der Verbund in der Türkei ausstoßen wird. Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber soll den Preis sofort zurückgeben und erst einmal über die Konzernpilosophie nachdenken.“

Erschütternd ist für GLOBAL 2000 auch die Doppelzüngigkeit des Managements. Im Jahr 2010 hat der Verbund eine Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro bekommen, etwa 500 Millionen Euro davon von der Republik Österreich – vorgeblich für den Bau von Wasserkraftwerken. „Heute werden mit dem Geld Kohlekraftwerke in der Türkei errichtet. Wirtschaftsminister Mitterlehner muss als Eigentümervertreter sofort einschreiten“, fordert Johannes Wahlmüller weiter.

Der Verbund ist aber auch im Inland kein klimafreundliches Unternehmen: „Die Kohlekraftwerke in Dürnrohr und Mellach laufen laut offiziellen Daten auf Volltouren. Besonders erstaunlich ist, dass in Mellach nur wenige Meter neben dem Kohlekraftwerk entfernt das neue Gaskraftwerk steht. Auf Volltouren läuft aber nur das Kohlekraftwerk. Das ist die wirkliche Klimaschutzpolitik des Verbunds – und dafür wird er absurderweise auch noch mit einem Klimaschutzpreis belohnt“, stellt Johannes Wahlmüller abschließend fest.

PM: Global 2000

Verbund muss sich Etikettenschwindel vorwerfen lassen

GBH: Krasser Gegensatz zwischen Werbung und Realität

Der Verbund wirbt täglich mit der umweltschonenden Gewinnung von Energie aus Wasserkraft. Das stehe im krassen Gegensatz zur tatsächlichen Energiebilanz und der Strategie des Verbundes, wie die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) aufzeigt.

Andreas Huss, MBA, Umweltsprecher der GBH: “Wenn der Verbund weiterhin den Bau von kalorischen Kraftwerken im Ausland finanziert, ist das weder aus arbeitsmarktpolitischer Sicht für Österreich noch aus klimapolitischer Sicht sinnvoll.”

GLOBAL 2000 wirft dem Verbund vor, Millionen von Euro in ausländische kalorische Kraftwerke zu stecken, die dem Ausbau der erneuerbaren Energieträger in Österreich fehlen. Alleine das Kraftwerk in der Türkei kostet ca 700 Mio. Euro. Die GBH fordert den Verbund daher auf, seine Gewinne in Österreich zu investieren, um den Anteil an erneuerbaren Energieträgern in Österreich zu erhöhen.

In den Klimazielen zur Umstellung auf erneuerbare Energieträger hat Österreich leider sehr unambitionierte Ziele (34 Prozent bis 2020), die lediglich durch “Business as usual” erreicht werden können. GBH-Bundesvorsitzender Josef Muchitsch: “Der Verbund ist aufgerufen, dazu beizutragen, dass dieses Ziel nicht nur erreicht, sondern bei weitem überschritten wird. Die Sozialpartner haben bereits vor zwei Jahren festgestellt, dass bis 2020 ein Anteil von 46 Prozent an erneuerbaren Energieträgern erreicht werden kann. Mit dem Bau von kalorischen Kraftwerken in der Türkei wird dieses Ziel aber nicht erreicht.”

Stattdessen sollte der Verbund seine Gewinne und die Steuermittel aus der Kapitalerhöhung zum Ausbau der Windenergie, der Photovoltaik, der Solarthermie, der Wasserkraft und der Biomasse verwenden. Das schafft eine positive Klimabilanz und viele Tausende Arbeitsplätze in Österreich.

Damit könnte auch der Atomstromanteil, den wir importieren (derzeit 6 Prozent) verringert werden. Der Verbund ist jener Energieversorger, der mit rund 16 Prozent den mit Abstand höchsten Anteil an Atomstrom importiert und in Österreich verkauft. Bei der Tochtergesellschaft “Verbund Sales” ist es noch schlimmer: Dort wird ein Anteil von 30 Proeznt Atomstrom verkauft, dazu 55 Prozent fossile Energie (Daten E-Control, Stromkennzeichnungsbericht, S. 141, Berechnungen: GLOBAL 2000.

PM: Österreichischer Gewerkschaftsbund

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