DUH: Bundesregierung kämpft in Brüssel für lautere Sportwagen und führt Lärmschutz ad absurdum

Lärmemissionen von Fahrzeugen / Foto: HB
Emissionen von Fahrzeugen / Foto: HB

(WK-news) – Deutsche Umwelthilfe und Arbeitsring Lärm kritisieren Eintreten der deutschen Bundesregierung für mehr Lärm im Straßenverkehr

  • Lärmschutzgrenzwerte sollen für hochmotorisierte Fahrzeuge um bis zu fünf Dezibel angehoben werden
  • Der Vorstoß unterläuft die Pläne der EU Kommission sowie die eigene, nationale Zielsetzung und ignoriert den Bundesratsbeschluss zur Senkung der Lärmbelastung
  • Bundesregierung einmal mehr in der Rolle der Erfüllungsgehilfin der deutschen Automobilindustrie

Der Arbeitsring Lärm (ALD) der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) und die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) werfen der deutschen Bundesregierung vor, das derzeitige Verfahren zur Senkung des Straßenverkehrslärms zugunsten der deutschen Automobilindustrie zu missbrauchen. Aus Sicht der beiden Organisationen gefährdet der Plan der Regierung die Gesundheit tausender Bürgerinnen und Bürger, indem er vor allem hoch motorisierten und lauten Fahrzeugen ein Lärmprivileg einräumt. Gleichzeitig sieht er bei anderen Fahrzeugen lediglich einen Grenzwert für die Lärmentwicklung vor, den heute bereits viele deutsche Pkw erfüllen. ALD und DUH fordern die Regierung auf, ihren Vorstoß zurückzuziehen und stattdessen den EU-Vorschlag im Sinne des Gesundheitsschutzes zu unterstützen.

Die deutsche Regierung exekutiert in Brüssel einmal mehr die immer absurderen Forderungen der deutschen Automobilindustrie“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Die derzeitigen Lärmgrenzwerte sind viel zu hoch, ermöglichen den Bau von Supersportwagen mit bis zu 1.200 PS und führen zu massiven Gesundheitsschäden. Jetzt auch noch für die besonders klimaschädlichen Sportwagen ein zusätzliches Lärmprivileg von bis zu fünf Dezibel einzufordern, ist zynisch und zeigt, wem sich diese Bundesregierung verpflichtet fühlt. Den Bezug zur Realität hat diese Regierung vollkommen verloren.

Die EU-Kommission hat nach jahrelangen Verzögerungen im September 2011 ihre überarbeiteten Pläne zur Minderung der gesundheitsschädlichen Lärmbelastung durch Fahrzeuge vorgestellt. Der Kommissionsvorschlag sieht über einen Zeitraum von fünf Jahren nach Inkrafttreten eine Lärmreduzierung für Pkw in zwei Stufen vor. Bis voraussichtlich 2013/14 muss die Geräuschentwicklung um zwei Dezibel gesenkt werden, drei Jahre später noch einmal um zwei weitere Dezibel. Die DUH hatte diesen Plan bereits 2011 als nicht ehrgeizig genug bewertet und höhere Reduktionsraten gefordert.

Aus Sicht der DUH, schwächt die deutsche Bundesregierung mit ihrer Forderung den wenig ambitionierten Vorschlag der Kommission weiter ab und setzt sich für einen deutlich niedrigeren Grenzwert für den Fahrzeuglärm ein. Weil der Vorstoß für alle Fahrzeuge mit einem spezifischen Leistungsgewicht über 120 kW/t zusätzliche zwei Dezibel und für Fahrzeuge über 160 kW/t sogar fünf Dezibel vorsieht, bietet er den Autobauern die Möglichkeit, besonders leistungsstarke Sportwagen deutlich lauter als bisher auf die Straße zu bringen. In der Konsequenz würden beispielsweise bestimmte Sportwagen des deutschen Herstellers Porsche einen Lärmbonus von zwei beziehungsweise fünf Dezibel erhalten. Hochmotorige Fahrzeuge sind neben Lkw aufgrund ihrer Lautstärke besonders für gesundheitsschädliche Schlafstörung verantwortlich.

Der deutsche Entwurf läuft faktisch auf eine Erhöhung des geltenden Grenzwerts für die Lärmbelastung durch einzelne Fahrzeuge hinaus“, erklärt Bernd Lehming, stellvertretender Vorsitzender des ALD. „Im Vergleich zu den Ergebnissen der Folgekostenabschätzung der EU-Kommission sieht er einen um bis zu fünf Dezibel höheren Grenzwert vor.Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung der DUH ergänzt: „Der Plan der Bundesregierung steht in klarem Widerspruch zum selbst auferlegten Lärmreduktionsziel, wie es das nationale Verkehrslärmschutzpaket II des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2009 vorsieht.“ Dieses plant, die verkehrsbedingte Geräuschentwicklung bis 2020 um 30 Prozent zu senken. „Um dieses Ziel einhalten zu können, müssten die Lärmemissionen von Fahrzeugen um fünf Dezibel gesenkt werden.

Der deutsche Vorschlag widerspricht zudem dem Votum der Bundesländer, die sich im Februar 2012 in einem Bundesratsbeschluss für ambitionierte Grenzwertsetzung für alle Pkw und Lkw ausgesprochen hatten. Gleichzeitig geht er zulasten von knapp 13 Millionen Bürgerinnen und Bürgern, die allein in Deutschland in ihrem Wohnumfeld von gesundheitsschädlichem Lärm betroffen sind. DUH und ALD fordern die Regierungen Europas auf, den Vorschlag der deutschen Bundesregierung entschieden abzulehnen. Nur so könne dem von den Interessen der Automobilindustrie bestimmten Versuch, ein Lärmprivileg für ihre Fahrzeuge auf europäischen Straßen durchzusetzen, Einhalt geboten werden.

Für Rückfragen:

Jürgen Resch
, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe e. V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Mobil: 0171 3649170, E-Mail: resch@duh.de

Bernd Lehming, stellvertretender Vorsitzender Arbeitsring Lärm (ALD), Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA e.V.), Voltastraße 5, 13355 Berlin,
Tel.: 030 4677600, E-Mail: B.Lehming@ald-laerm.de

Dorothee Saar
, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung Deutsche Umwelthilfe e. V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Mobil: 0151 16225862, Tel.: 030 240086772, E-Mail: saar@duh.de

Daniel Eckold, Pressesprecher Deutsche Umwelthilfe e. V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 0302400867-22, Mobil: 0151 55017009, E-Mail: eckold@duh.de

PM: DUH

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