Das Windkraft-Journal boykottiert Zeitungen

(WK-intern) Wie sagt man so schön: Das Fass ist voll, läuft über. Nachdem im Mai 2012 bekannt wurde, das einige große Zeitungen Abmahnungen verschickten, weil in anderen Online-Magazinen Zitate verwendet worden sind (die normalerweise laut Urheberrecht erlaubt sind), entschlossen wir uns, keine Nachrichten mehr, auch nicht als angerissene Teaser, im Windkraft-Journal zu veröffentlichen.

Foto: Katharina Scherer / pixelio.de

In der letzten Woche nun wurde der Entwurf des neuen Leistungsschutzgesetz bekannt, das, sollte es in dieser Form in Kraft treten, so einiges im Nachrichtenbereich im Internet durcheinander wirbeln wird und vor allen Dingen viele Blogger und Internet-Magazine den Abmahnhaien zum Fraß vorwerfen würde.

Besonders einigen Verlagen “stinkt” es schon länger, das z.B. Google auf seiner News-Seite Anriß-Überschriften zu den aktuellen Nachrichten der verschiedenen Zeitungen bringt und damit angeblich auf Kosten dieser Verlage Geld verdient. (Schaut man allerdings mal auf Google NEWS, so ist dort recht selten überhaupt Werbung zu finden.)
Und so hat es die Zeitungslobby zusammen mit bestimmten Parteien nun geschafft, ein sogenanntes Leistungsschutzrecht auf den Weg zu bringen. D.h., die Verlage pochen dann ein Jahr lang darauf, das ihre Artikel nur lizensiert in anderen Medien veröffentlicht werden. Auf gut Deutsch, alle anderen sollen jedesmal erst nachfragen, ob sie auf die betr. Zeitung verlinken dürfen – und u.U. dafür natürlich auch Lizenzgebühren bezahlen.

Damit schiessen sich die Verlage allerdings ins eigene Knie. Blogger und Online-Magazine werden dann überhaupt nicht mehr verlinken und sollte Google diese betr. Verlage dann nicht mehr indizieren, werden die Verlage Millionen Besucher verlieren – und damit auch Millionen an Werbeeinnahmen. Das haben die Herren scheinbar völlig übersehen. Aber das Problem im Internet, alles nur durch neue Gesetze zu verschlimmverbessern, anstatt sich endlich einmal neuer Ideen zu widmen, kennt man ja schon von der Musikindustrie.

Unsere sofortigen Gegenmaßnahmen:
Folgende Maßnahmen haben wir schon jetzt getroffen, die so oder ähnlich inzwischen auch von immer mehr anderen Bloggern und Online-Magazinen verwirklicht werden.

a. Wir verlinken zu keinerlei Pressemeldungen mehr. Also keine Veröffentlichung von Kurzanrissen aktueller News dieser Zeitungen und natürlich auch keine Links zu diesen Zeitungen oder Zeitschriften. Da wir letztendlich nicht genau wissen, welche Verlage hinter diesem neuen Gesetz stehen, trifft es zur Zeit alle Verlage. Lediglich zum Beispiel zur tagesschau u.ä. verlinken wir weiterhin. Die TAZ, die das neue Gesetz in dieser Form ebenfalls anzweifelt, hat uns inzwischen erlaubt, weiterhin verlinken zu dürfen, wenn dort für unsere Leser interessante Artikel veröffentlicht werden.

b. Wir streichen auch aus fertigen Pressemeldungen, die uns zugeschickt werden, sämtliche Zitate aus Zeitungen und natürlich auch die dazugehörigen Links.

c. In den Social Networks, also z.B. Facebook, Google+ oder Twitter werden Verlagsangebote nicht mehr geteilt, kommentiert o.ä.

d. Abgesehen davon, das wir also natürlich die Nachrichten der betr. Verlage noch lesen, existieren Verlagsprodukte für uns nicht mehr.

Manche Menschen mögen unsere Maßnahmen für lächerlich halten, wir finden die sich immer weiter ausbreitende Beschneidung der Meinungs- und Mitteilungsfreiheit, als auch der Pressefreiheit, im Internet überhaupt nicht mehr lächerlich. Und nur mit Gegenmaßnahmen kann man sich zur Wehr setzen. Wir wollen hier in Deutschland keine ungarischen oder gar russischen Verhältnisse!

Da wir ja nun nicht mehr auf Zeitungsartikel verlinken, schauen Sie bitte mal hier bei Google, dort finden Sie viele Meinungen zum neuen Leistungsschutzgesetz.

IGEL – Initiative gegen das neue Leistungsschutzrecht

P.S: Wir haben inzwischen auch ca. 270 Links hier im Journal, die zu Zeitungen führten, entfernt!

MDM

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One thought on “Das Windkraft-Journal boykottiert Zeitungen

  1. Liebe Leute,

    Euer Vorgehen finde ich großartig und die einzig mögliche Reaktion auf das LSR. Ich hoffe, dass möglichst viele Webseiten-Betreiber es genau so machen wie Ihr.

    “Damit schiessen sich die Verlage allerdings ins eigene Knie” – genau so siehts doch aus. In Belgien gab es sowas doch auch schon mal. Die Chefetagen der großen Verlage können doch nicht ernsthaft so doof sein, oder?

    Bin gespannt wie das weitergehen wird.

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