Schnäppchen-Tour von chinesischen Firmen in Europa

China-Deutschland / Pressebild: www.trempel.de
China-Deutschland / Pressebild: www.trempel.de

(WK-intern) – Green Cities-Green Industries – The Harbin Conference 2012

Der Asienexperte Eberhard Trempel berichtet heute aus dem Land der Mitte:

Bevor das China-Geschäft uns die nächsten Tage voll in Anspruch nimmt, nachfolgend der interessante Artikel von Nina Trentmann, die wir in Harbin erneut als Moderatorin der “Green Cities-Green Industries – The Harbin Conference 2012” begrüßen dürfen.

Da unsere “Parteitagsbeschlüsse in Sachen China schon gefaßt sind” und unsere Truppen auf die nächsten Einsatzbefehle warten, können wir den Sommer ungestört nutzen, um die richtigen Themen auf die Agenda zu setzen bzw. diese weiter umsetzen. Bereits im November geht es hierbei mit der großen deutsch-chinesischen Automobilkonferenz in Berlin weiter, gefolgt von der internationalen Bürgermeisterkonferenz in Magdeburg zum Thema “Green Cities-Green Industries” bis hin zum China-Summit in Hamburg. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Windenergy Husum 2012, die für uns ohnehin ganz oben steht und die Konferenzen der DENA und Chengdus zum Thema “New Energy” und “Energieeffizienz”.

Die Welt von heute:

“Bis zu 250 Milliarden Dollar wollen Chinesen in dieser Dekade im krisengeplagten Europa in Investitionen und Firmenkäufe stecken. Das könnte den Beginn einer weltweiten Shopping-Tour markieren. Von Nina Trentmann

© PA/landov Parade in Peking. Chinas Firmen wollen viele Milliarden in Europa investieren. Politische Motive sollen dabei keine große Rolle spielen

 

Weiterführende Links

 

Chinas Direkt-Investitionen in Europa haben sich 2011 mehr als verdreifacht. Wie eine Studie der Unternehmensberatung Rhodium Group in Kooperation mit der chinesischen Investment-Bank CICC und Brunswick zeigt, investierten chinesische Firmen rund zehn Milliarden Dollar (rund 7,4 Mrd. Euro) in Europa.

Den Autoren der Studie zufolge könnte dies den Beginn einer weltweiten Shopping-Tour markieren, auf der reiche chinesische Firmen im krisengeplagten Europa Schnäppchen machen. Bis 2020 sollen die chinesischen Direktinvestitionen in der Region bis auf beeindruckende 250 Milliarden Dollar ansteigen.

“Europa erlebt gerade den Beginn einer starken Zunahme chinesischer Direktinvestitionen”, schreiben Thilo Hanemann und Daniel Rosen, die Autoren der Studie “Chinas Investitionen in Europa”. Pro Jahr rechnen sie in den kommenden Jahren mit rund 20 bis 30 Milliarden Dollar, die die Chinesen in europäische Firmen stecken.

Hanemann und Rosen verzeichnen seit 2006 eine wachsende Zahl von Investitionen und Firmenkäufen durch zahlungskräftige Kunden aus dem Reich der Mitte. Dabei verdoppelte sich von 2010 und 2011 die Zahl der Deals in einer Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar von weniger als 50 auf fast 100.

Investitionen haben kaum politische Motive

Wirtschaft

China will Handel mit Deutschland stark ausbauen

Wachstum

Auch China sucht wegen Boom dringend Fachkräfte

“Vielen Unternehmern und Politikern scheinen sich die Motive und die Folgen dieser Shopping-Tour nicht zu erschließen”, schreiben Hanemann und Rosen. “Weder die offiziellen chinesischen oder europäischen Zahlen erklären diesen neuen Investment-Boom.” Die Unternehmensberatung verwendete für ihre Studie einen alternativen Ansatz, basierend auf Zahlen über chinesische Neuinvestitionen sowie M&A-Aktivitäten in Europa.

Motor der chinesischen Direktinvestitionen ist der Studie zufolge ökonomisches Gewinnstreben. Politische Motive spielen nur eine untergeordnete Rolle. “Die chinesische Politik spielt eine Rolle, meist aber eher, indem sie politische Schranken aufhebt und Firmen rationale Entscheidungen über ihre Investitionen machen lässt”, so Hanemann und Rosen.

Chinesische Unternehmen setzen dabei vor allem auf Investitionen in etablierte Marken oder technologisch führende Firmen. Die Euro-Krise mache europäische Firmen noch verlockender: “Die Krise bietet den Chinesen einige Schnäppchen, daneben lässt der stärker werdende Renminbi europäische und amerikanische Anlagen attraktiver erscheinen”, so die Autoren der Studie.

Fokus auf Frankreich, Deutschland und Großbritannien

Geographisch gesehen liegt das chinesische Augenmerk der Studie zufolge auf Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Während die chinesischen Investoren in Westeuropa eher bestehende Unternehmen aufkaufen, sind es in Osteuropa fast nur Neuinvestitionen auf der grünen Wiese.

Die Chinesen investieren der Studie zufolge nicht nur mehr und mehr in Europa, sie investieren auch in andere Branchen als in den Vorjahren. Es geht weniger um Rohstoffe und Handel, stattdessen um Industrie, in fast allen Sektoren.

Von den 30 Branchen, die die Studie untersuchte, gab es in 18 Deals in Höhe von mehr als 200 Millionen Dollar. In neun Branchen waren es mehr als eine Milliarde Dollar. “Es sind nicht nur einige wenige, strategische Industrien”, schreiben Hanemann und Rosen.

Für ihre Studie analysierte die Unternehmensberatung Rhodium auch die Folgen, die Chinas Shoppingtour auf die jeweiligen Volkswirtschaften hat. Dabei kommen sie zu dem Schluss, dass die chinesischen Investitionen dieselbe positive Wirkung wie Gelder aus anderen EU-Ländern haben.

Rund 45.000 Jobs hängen an den chinesischen Direktinvestitionen in Europa. Bislang seien die negativen Auswirkungen gering, schreiben die Analysten: “China hat immer noch einen vergleichsweise kleinen Anteil an Europas gesamten Direktinvestitionen. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass China Vermögenswerte oder Effizienzraten beeinflussen wird.”

Chinas Staatsfonds reduziert Europa-Investment

Anders als Chinas Firmen reduzierte Chinas Staatsfonds CIC sein Investment in Europa. Der CIC sieht wegen der europäischen Schuldenkrise ein steigendes Risiko eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone. Aus diesem Grund habe der Fonds sein Engagement in Aktien und Staatsanleihen in Europa reduziert, sagte CIC-Chef Lou Jiwei dem “Wall Street Journal”.

Er würde wahrscheinlich keine Euro-Bonds kaufen, da das Risiko zu groß sei. Er sagte nicht, in welchem Volumen der Fonds europäische Wertpapiere abgestoßen habe. Der Fonds verwaltet ein Vermögen von 410 Milliarden Dollar. Der CIC wolle aber weiterhin in Europa unter anderem über direkte Beteiligungen investieren.

PM: Eberhard Trempel <Eberhard_Trempel@t-online.de>
www.trempel.de

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