Solarprogramm für den Iran

Hans-Josef Fell
Hans-Josef Fell

(WK-news) – Mit Erneuerbaren Energien die iranische Atombombe verhindern?

Die Auswirkungen eines Irankrieges wären verheerend: von der Gefahr dauerhafter großräumiger radioaktiver Verseuchungen, der Zerstörung von Regionen und Menschenleben bis hin zur weiteren Destabilisierung der Golfregion und möglicher Destabilisierung des Weltfriedens.

Diese Befürchtungen vereinen eine Reihe von Akteuren gegen einen eventuellen Krieg.

Der Iran begründet offiziell seine Atomaktivitäten mit der Notwendigkeit des Ausbaus seiner Energieversorgung. Ein Ausbau der Stromversorgung ist aus Gründen der weiteren Entwicklung des Irans auch notwendig. Sowenig die Notwendigkeit einer ausreichenden Energieversorgung des Iran in Frage gestellt werden kann, so sehr muss festgehalten werden, dass hierzu die Nutzung der Atomenergie vollkommen überflüssig ist.

So verfügt der Iran nicht nur über umfangreiche fossile Energievorkommen, die allerdings vor allem für den Export verwendet werden, sondern insbesondere auch über gigantische Potenziale für die Nutzung Erneuerbarer Energien. Da der Iran neben den Kriegsdrohungen auch sein Erdöl- und Erdgas immer wieder politisch einsetzt, wäre der Rest der Welt gut beraten, sich von iranischem Erdöl und Erdgas unabhängiger zu machen, was mit der Nutzung heimischer Erneuerbarer Energien am besten und schnell gelingen kann. Genauso wäre für den Iran eine umfangreiche Nutzung der iranischen Erneuerbare Energien Ressourcen vorteilhaft, weil so kostengünstiger und schneller der wachsende Strombedarf gedeckt werden kann als mit dem schwierigen und teuren Ausbau der Atomenergie oder mit eigenen Raffinerien, um dann Treibstoffe für Kraftwerke zu erhalten. Daher macht es viel Sinn, die weltweiten und auch iranischen Erneuerbaren-Energien-Potenziale zu nutzen und zu fördern. Dies muss die entscheidende weltpolitische Strategie sein.

Nach internationalem Recht steht auch dem Iran eine friedliche Nutzung der Atomenergie zu. Aus dem Recht auf friedliche Nutzung ergibt sich aber noch lange keine Pflicht zur Nutzung der Atomenergie. Ein Ausbau der Erneuerbaren Energien im Iran tangiert nicht das Recht zur Nutzung der Atomenergie, sondern macht die Nutzung der Atomenergie schlicht überflüssig.

Es ist richtig, im derzeitigen Konflikt auf Diplomatie zu setzen, um einen Krieg in der Region zu verhindern. Diplomatie sollte aber immer alle möglichen friedlichen Mittel ins Spiel bringen, wozu auch ein Angebot an den Iran zur Nutzung der Erneuerbare Energien gehört.

Die Renewable Energy Organization of Iran (SUNA) untersucht zur Zeit die Potenziale des Irans. Schon hier und jetzt steht es der Weltgemeinschaft offen, dem Iran aktiv anzubieten, dessen Entwicklungswünsche massiv mit Erneuerbaren Energien zu unterstützen. Dafür braucht es nicht einmal einen Beschluss der UNO. Auch einzelne Akteure, wie die EU, ja selbst Staaten wie Deutschland könnten ein solches Angebot machen und beratende sowie logistische Unterstützung für den Ausbau der Erneuerbare Energien oder den Aufbau eigener Fabrikationen anbieten, wenn der Iran im Gegenzug auf sein Atomprogramm verzichtet.

Jedenfalls kann ein solches Angebot heute nicht mehr mit dem Argument abgelehnt werden, es sei nicht realisierbar: Eine Vielzahl von Erneuerbare-Energien-Technologien stehen zur Verfügung: vor allem solarthermische Kraftwerke, Geothermie, Windkraft, Kleinwasserkraft, Biogasanlagen, Wellenenergie an den Küsten und inzwischen auch die Fotovoltaik sind in kommerziellem, industriellem Maßstab verfügbar. Sie können schneller und kostengünstiger die Stromausbauwünsche des Iran erfüllen, als die Atomenergie. So sind inzwischen die Stromerzeugungskosten von neuen Windrädern und Fotovoltaikanlagen niedriger als die von neuen Atomkraftanlagen. Das Argument, dass die Entwicklung des Iran nur mit Atomenergie möglich sei, ist falsch und leicht widerlegbar.

Ein konkretes Angebot eines Solarprogrammes für den Iran, das mit einer umfangreichen Unterstützung zur praktischen Umsetzung einhergehen und mit dem Verzicht des Irans auf den Ausbau der Atomenergie verbunden sein muss, könnte zwei Reaktionen des Irans hervorrufen:

  1. Ablehnung durch den Iran. Konsequenz: Es wäre sehr schwer für den Iran zu begründen, warum er das Angebot für eine internationale Hilfe zum Ausbau der Erneuerbaren Energien ablehnt, obwohl diese wesentlich günstigere Stromproduktionskosten haben als neue Atomreaktoren. Ein Festhalten des Irans an der Atomenergie trotz des Angebotes eines Solarprogrammes würde es der Weltgemeinschaft erleichtern, den Druck auf den Iran zu erhöhen: Irans Behauptung, die Atomkraft nur zur Energiegewinnung nutzen zu wollen, verlöre an Glaubwürdigkeit.
  2. Annahme durch den Iran. Diese Reaktion wäre ein friedlicher Ansatz für die Lösung des Problems. Der Iran würde keine Atomreaktoren mehr anstreben, die

Weltgemeinschaft oder einzelne Nationen würden dem Iran mit einem Solarprogramm aktiv helfen seine Energieprobleme zu lösen.

Auf jeden Fall sollten die westlichen Regierungen daran arbeiten, eine solche Strategie zu entwerfen. Statt eines Gegeneinanders der Regierungen brauchen wir ein Miteinander der Völker. Die Erneuerbaren Energien sind dabei die verbindenden Friedenstechnologien.

Atomenergie spaltet hingegen und bringt unnötige Risiken in die Weltgemeinschaft.

Quelle: H. J. Fell

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