Deloitte-Studie: Umstieg auf Erneuerbare Energien sorgt für Kursschwankungen

(WK-news) – Energieversorger vor dem Umbruch

Düsseldorf/München – Die Deloitte-Studie „Nach dem Atomausstieg – Deutsche Versorger auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung“ vergleicht die vier deutschen Verbundversorger, 33 Regionalversorger und 17 europäische Verbundunternehmen und zeigt:

Der deutsche Atomausstieg nach Fukushima führte zu einer erheblichen Bedeutungssteigerung der Erneuerbare-Energien-Träger.

Unternehmen aus diesem Bereich profitierten am Kapitalmarkt durch erhebliche Kurssteigerungen. Die Aktien der großen Verbundversorger hingegen brachen um bis zu 10 Prozent ein und lassen zumindest kurzfristig negative Effekte auf die Profitabilität erwarten. Vor allem der Verzicht auf die margenstarke Kernkraft und die Abwicklung der alten Atom-Meiler sind mit hohen Kosten verbunden. Regulatorische Änderungen im Energie-Wirtschaftsgesetz (EnWG) und im Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) sollen den Umstieg auf regenerative Energien beschleunigen und überdies rechtlich verankern. Parallel dazu setzt die Energiewende den Netzausbau zum Smart Grid voraus. Das große Marktpotenzial birgt jedoch auch hohe Kosten und technische Probleme.

„Für den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung sind erhebliche Investitionen in Kraftwerke, neue Technologien sowie die Transformation des Netzes zum ‚Smart Grid‘ zu tätigen. Insbesondere die Netztransformation ist eine der wichtigsten Zukunftstechnologien und eröffnet, trotz erheblicher Herausforderungen, neue Marktpotenziale“, bilanziert Deloitte-Partner Jörg Niemeyer.

Finanzielle Auswirkungen der Energiewende
Entgegen dem allgemeinen Markttrend verzeichneten Unternehmen aus dem Erneuerbare-Energien-Bereich nach der Ankündigung des Laufzeitmoratoriums deutliche Kursgewinne von bis zu 73 Prozent und belegten die wachsende Bedeutung Erneuerbarer Energien für den deutschen Energiemix. Die Börse schien eine Forcierung des Übergangs zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu erwarten. Die Aktien der großen Kernkraftwerksbetreiber hingegen verloren innerhalb von nur drei Tagen etwa zehn Prozent an Wert. Die Verbundunternehmen müssen mit kurzfristigen negativen Effekten auf die Profitabilität rechnen, da der Verzicht auf die margenstarke Kernenergie, der Rückbau der alten Atomkraftwerke und der Netzausbau zum Smart Grid mit erheblichen Kosten verbunden sind. Auch die Regionalversorger stehen vor der Herausforderung, ihre hohe Kapitaleffizienz, trotz Investitionen in Erneuerbare Energien, weiter zu gewährleisten. Sie sind im Gegensatz zu den Verbundunternehmen jedoch unabhängiger von der Kernenergie und können daher flexibler agieren.

„Die deutschen Versorger sind alle von der Energiewende betroffen, begegnen dieser aber aus unterschiedlichen Ausgangssituationen. Verbund- und Regionalversorger fokussieren sich stärker auf die Kernkompetenzen oder richten sich strategisch neu aus, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen“, erläutert Jörg Niemeyer.

Regulatorische und technische Anpassungen nötig
Der Ausbau Erneuerbarer Energien ist Ziel der Bundesregierung und wird durch neue regulatorische Rahmenbedingungen forciert. Bis 2050 soll sich der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung schrittweise auf 80 Prozent erhöhen. Die staatlichen Subventionen für die einzelnen Bereiche werden stufenweise reduziert. Die neuen Marktherausforderungen erfordern regulatorische Anpassungen für den konsequenten Ausbau neuer Technologien. Im Bereich des EnWG betreffen die Änderungen vor allem den Netzausbau, da die verstärkte Nutzung einer tendenziell dezentralen Erneuerbare-Energien-Erzeugung die Transformation der Netze zu intelligenten Stromnetzen (Smart Grid) erfordert. Trotz hoher Ausbaukosten verfügt der Smart-Grid-Markt über ein Marktpotenzial von über 250 Milliarden Euro. Kleinere Energieversorger haben die Möglichkeit, sich als innovative Unternehmen am Markt zu positionieren, während den Verbundunternehmen eine Neuorientierung schwerer fällt. Allerdings ist die Bürgerakzeptanz bisher vor allem wegen der hohen Kosten gering und stellt daher eine besondere Herausforderung dar. 71 Prozent der befragten Bürger befürchten Tariferhöhungen bei der Installation von intelligenten Stromzählern.

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