Netzentgelte für Strom und Gas: Erhöhung nach Gutdünken?

(WK-news) – Ein Vergleich sollte zeigen, ob und wie sich Netzentgelterhöhungen in den Standardangeboten für Strom und Gas (Grundversorgung) der örtlichen Versorger niederschlagen.

Der Eindruck: Strom- und Gasversorger beziehen die Netzentgelte nicht nach einheitlichen und transparenten Kriterien in die Preisberechnung ein.

Bei einem Check der Netzentgelterhöhungen der 119 Stromnetz- und 186 Gasnetzbetreiber in Nordrhein-Westfalen zum Jahreswechsel hat die Verbraucherzentrale NRW viel Wildwuchs und widersprüchliche Trends entdeckt:

Während 70 Stromnetzbetreiber ihre Entgelte um bis zu 20 Prozent raufsetzten, schlugen 67 der Gasnetzbetreiber zwischen zehn und bis zu 40 Prozent auf. Entgeltstabilität war hingegen bei 40 Strom- sowie 57 Gasnetzbetreibern angesagt. Senkungen der Entgelte konnten die Verbraucherschützer bei neun Strom- und zehn Gasnetzbetreibern bilanzieren.

Weil die Netzentgelte am Strom- und Gaspreis immerhin rund 20 Prozent ausmachen, hat die Verbraucherzentrale NRW darüber hinaus überprüft, ob und wie sich Netzentgelterhöhungen in den Standardangeboten für Strom und Gas (Grundversorgung) der örtlichen Versorger niederschlugen. Mit verblüffendem Ergebnis: 34 Stromversorger, die von den jeweiligen Netzbetreibern mit Entgelterhöhungen konfrontiert worden waren, drehten stärker an der Preisschraube als durch die Anhebung gerechtfertigt gewesen wäre. In anderen Fällen wurde trotz stabiler Stromnetzentgelte dennoch bei 15 Grundversorgungsangeboten eine Preiserhöhung an Kunden weitergegeben. Bei der Gasgrundversorgung wurde neun Mal ein höherer Preis verlangt, obwohl gar keine Erhöhung der Netzentgelte ins Haus gestanden hatte. Auch wurden Preissenkungen sowohl bei Strom- als auch Gasnetzentgelten in zahlreichen Fällen nicht eins zu eins an die Kunden weitergegeben. Da drängt sich der Eindruck auf, dass Strom- und Gasversorger die Netzentgelte keineswegs nach einheitlichen und transparenten Kriterien in die Preisberechnung einbeziehen.

Stichtage der Erhebung waren der 1. Oktober 2011 sowie der 26. März 2012. In den Blick genommen wurden dabei Jahresverbräuche von 2.700 bzw. 5.400 kWh/a beim Strom und 15.000 bzw. 30.000 kWh/a bei Gas. Die genauen Ergebnisse, geordnet nach Energieträger sowie unterschiedlichem Durchschnittsverbrauch kann man hier einsehen – sowohl hinsichtlich der Änderungen der Netzentgelte als auch ihrer Auswirkungen auf die Preise für die Grundversorgungsangebote:

Gas / 15.000 kWh    Gas / 30.000 kWh
Strom / 2.700 kWh    Strom / 5.400 kWh

Die Verbraucherzentrale NRW hat die Untersuchungsergebnisse inzwischen an die Regulierungsbehörden übersandt, verbunden mit der Bitte zu überprüfen, ob und mit welchen Maßnahmen den Veränderungen der Netzentgelte begegnet werden kann.

Wer die Preiserhöhungen in der Grundversorgung nicht akzeptieren will, hat folgende Alternativen:
Strom- und Gaspreiserhöhungen müssen mindestens sechs Wochen im Voraus schriftlich angekündigt werden. Danach hat der Kunde etwa zwei Wochen Zeit, um den Vertrag zu kündigen und in einen günstigeren Tarif des derzeitigen Versorgers oder zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Wer am Vertrag festhalten will, kann auch der Preiserhöhung widersprechen. Das empfiehlt sich, wenn derzeit kein anderes günstigeres Angebot auf dem Markt ist. Die Zahlung der erhöhten Preise sollte dann unter Vorbehalt erfolgen.

Zum Verständnis…

Grundversorgung:
Unter Grundversorgung versteht man die Lieferung von Strom und Gas des Grundversorgers an Haushaltskunden. Als Grundversorger wird das Energieunternehmen in einem bestimmten Gebiet bezeichnet, welches die Mehrzahl der Haushaltskunden in der Gemeinde beliefert.

Netzbetreiber
Die örtlichen Verteilnetze für Strom und Gas sind Eigentum des lokalen oder regionalen Netzbetreibers. Dieser gehört als unabhängige und eigenständige Unternehmenseinheit einem Lieferanten (i.d.R. dem Grundversorger)

Netznutzungsentgelte
Die Entgelte des Netzbetreibers für die Nutzung seiner Netze werden Netznutzungsentgelte genannt. Sie sind für alle Lieferanten inkl. des örtlichen Grundversorgers gleich bemessen.

Mitteilung: Verbraucherzentrale NRW

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