Interview mit Hermann Betken zu Offshore-Windparks und zur Energiewende

Offshore-Probleme / Foto: HB
Offshore-Probleme / Foto: HB

WK (Mario de Mattia): “Herr Betken, Sie sind seit Jahren mit der Windenergie vertraut, haben an Weltraumprojekten wie Eureka und für das Fraunhofer Institut gearbeitet.

Wie sehen Sie die Probleme und die Diskussion über die Umsetzung der großen Vorhaben von Nord- und Ostsee-Windparks. Selbst High-Tech Industriegiganten wie Siemens geht langsam der Atem aus und der Mut schwindet.

Was ist das eigentliche Problem?”

Hermann Betken: “Angeblich liegen zwei Probleme vor, einmal die Netzanbindung von den Offshore-Windparks bis zum Land. Dieses Problem entsteht wegen der Gleichstromübertragung. Die neue Technik ist gut und vielversprechend, benötigt aber vielleicht noch 5 Jahre bis die elektronischen Bauteile der Leistungselektronik soweit ausgereift sind die enorme elektrische Leistung in die Kabel leiten zu können.”

WK: “Was schlagen Sie vor, wie kann dieses Problem kurzfristig gelöst werden?”

Hermann Betken: “Wenn die neue Technologie noch nicht so weit ist, nehmen wir die alte, die herkömmliche Stromtrasse, wie sie seit hundert Jahren funktioniert. Wir bauen statt einem Umspannwerk mit Trafostation je nach Bedarf zwei oder maximal drei Umspannwerke bis zum Land, das stellt überhaupt kein Problem dar. Diese Umspannwerke stellen auch ökologisch keinerlei Risiko für zum Beispiel das Wattenmeer dar. Diese Technik ist ausgereift und sicher, die ganze Welt bedient sich ihrer.”

WK: “Wenn nun der Strom an Land sicher ankommt, wie kann er da in die Netze gespeist werden, angeblich fehlen Netzanschlüsse.”

Hermann Betken: “Ja, davon wird geredet, aber wenn wir unsere Stromnetze betrachten und die Pläne einmal zur Hand nehmen, so werden wir feststellen, alle Netze sind ausreichend vorhanden. Ich nenne nur einige Beispiele. Die Atomanlagen an der Elbe sind alle mit dem Europanetz verbunden, gleichzeitig sind nur noch wenige davon Stromlieferanten. Die Planung sieht vor in der Wilstermarsch vier neue Kohlekraftwerke zu installieren, die werden für Schleswig-Holstein, welches jetzt schon mehr Windstrom erzeugt als es selbst benötigt nicht gebraucht. Die Stromleitungen könnten ohne weiteres als Anbindung für Windstrom an das EU-Netz benutzt werden. Es tut mir leid, aber hier sehe ich kein Problem.”

WK: “Wo liegt dann das Problem?”

Hermann Betken: “Das Problem ist einfach erklärt. Ein Kohlekraftwerk wird einfacher genehmigt als der Anschluss von Windanlagen. Es ist eine politisch nicht gewollte Umsetzung der Energiewende. Ich befürchte der Atomausstieg wird nach der nächsten Bundestagwahl zurückgenommen und deshalb sind die Stromanbindungen bei den Trafostationen dieser Anlagen auch niemals angesprochen worden. Diese Anbindungen sind seit Jahren bewährte europaweite Netzanschlüssen.”

WK: Wir danken für Ihre Bereitschaft hier einmal klärende Worte zur Energiewende zu veröffentlichen und sind gespannt auf unser nächstes Interview am kommenden Wochenende.”

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