Erarbeitung eines Rettungskettenkonzepts für Unfallverletzte in Offshore-Windparks

Rettungskettenkonzepts für Unfallverletzte in Offshore-Windparks/Pressebild: BUK-Hamburg
Rettungskettenkonzepts für Unfallverletzte in Offshore-Windparks/Pressebild: BUK-Hamburg

(WK-news) – Erfolgreicher Start des Forschungsprojekts „Rettungskette Offshore Wind“

Berufsgenossenschaften fördern Projekt zur Erarbeitung eines Rettungskettenkonzepts für Unfallverletzte in Offshore-Windparks

Im Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus Hamburg (BUKH) wurde der offizielle Start des Forschungsprojekts „Rettungskette Offshore Wind“ bekanntgegeben.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt zur Erarbeitung eines Rettungskettenkonzepts für Unfallverletzte in Offshore-Windenergieanlagen wird durch die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW) gefördert.

Das Projekt wird unter der Leitung des Ärztlichen Direktors des BUKH, Prof. Dr. med. Christian Jürgens, durchgeführt. „Bisher sind Notfallpläne für komplexe Rettungssituationen vorhanden, die keine einheitliche Rettungskette vorgeben“, erklärt Jürgens. Ziel des Projekts ist es, auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Rettungslogistik, -technik und -medizin ein innovatives Rettungskettenkonzept für Unfallverletzte in Offshore-Windparks zu erarbeiten. „Dafür möchten wir unter den Gesichtspunkten der Finanzierbarkeit, der Wirtschaftlichkeit, der Realisierbarkeit sowie der Sicherheit des Systems Ideen entwickeln und Empfehlungen aussprechen.“

Dr. Klaus Schäfer, stellvertretender Präventionsleiter der BGHW, sagte anlässlich der Veranstaltung, dass die neuen Arbeitsbedingungen im Offshore-Bereich neben technischen Anpassungen auch eine angepasste Strategie des Arbeitsschutzes inklusive der notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen erforderten: “Wir erwarten, dass das Forschungsprojekt dazu beiträgt, das Arbeitsschutzniveau für derartige Arbeitsplätze zu verbessern.” Damit komme die BGHW der Kernaufgabe der Präventionsarbeit der Unfallversicherungsträger nach: Mit allen geeigneten Mitteln für die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und damit für eine wirksame Erste Hilfe zu sorgen.

So gilt es Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen und zur Minimierung von Verletzungsfolgen zu ergreifen und diese in einem gemeinsamen Projekt zusammen zu tragen, erläutert Dr. Nils Weinrich, stellvertretender Projektleiter und Diplomphysiker. Über das jetzt schon große Interesse zu Beginn der Forschungsarbeit zeigten sich die Projektleiter äußerst zufrieden.

Prof. Dr. Klaus Seide, Unfallchirurg und Leiter des Bereiches Wissenschaft und Forschung am BUKH, machte deutlich, welcher Stellenwert dabei dem BG Unfallkrankenhaus zukommt und welche Kompetenz das Haus zur Versorgung von Unfallverletzten bietet.

Die Wichtigkeit eines interdisziplinären Teams machte Michael Ziethen, Regionalleiter Nord der BGHW, deutlich. Besonders der Austausch zwischen Ingenieuren und Medizinern sei ein entscheidender Faktor für die Erarbeitung einer komplexen Rettungskette. „Nicht nur die Arbeiter auf den Windrädern müssen dabei in Betracht gezogen werden“, so Dr. med. Karl-Peter Faesecke, Facharzt für Arbeitsmedizin, „ohne Taucher geht nichts“. Denn durch die Verankerung im Boden der Nord- und Ostsee, sind die Konstrukteure beim Aufbau und der Wartung von Offshore Windanlagen auch auf den Einsatz von Tauchern angewiesen.

Die weiteren Vorträge des Tages stellten klar heraus, welche momentanen Maßnahmen bereits ergriffen werden und wo es langfristig zu Engpässen und Problemen kommen könnte. Diese gilt es nun zu analysieren und in die weitere Forschungsarbeit einfließen zu lassen. So referierte Sören Makel vom Havariekommando Cuxhaven über die Problematiken der Bergung auf offener See. Auch Dr. med. Markus Stuhr, Mitglied der Spezial-Einsatzgruppe „Schiffsicherung“ der Feuerwehr Hamburg und Facharzt für Anästhesie, Intensiv- und Rettungsmedizin am BUKH, gab Praxisbeispiele der aktuellen Situation bei Rettung aus Hochseegebieten. Wie wichtig die körperliche Tauglichkeit bei Offshore- Arbeitern ist, präsentierte der Arbeitsmediziner Dr. med. Ulrich Rogall. Die medizinischen Check-Ups vor einem Arbeitseinsatz sind umfangreich, aber sinnvoll, da für die harte körperliche Arbeit auf See gewisse Attribute unbedingt erfüllt werden müssen. Speziell ausgerichtete Sicherheits- und Notfalltrainingskonzepte bietet das “Institut für nachhaltige Aktivitäten auf See” (INASEA) an. Beate Lange zeigte hier anschaulich, wie Rettungsmittel richtig eingesetzt werden und wie die INASEA solche Maßnahmen in speziellen Trainings vermittelt.

Auch Udo Helge Fox, Leiter des Rettungsdienstes und Mitglied der Geschäftsführung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sieht eine klare Konsequenz aus der weiteren Entwicklung, ein gemeinsames Notfallkonzept schnell und gemeinsam umzusetzen. So stellte er die aktuelle Planung zur Einrichtung einer zentralen Notfallleitstelle für Offshore-Windparks vor und betonte dabei die Zusammenarbeit in engem Schulterschluss mit dem Havariekommando.

Hintergründe zum Forschungsprojekt „Rettungskette Offshore Wind“

Das im September 2010 vorgestellte Energiekonzept der Bundesregierung sieht einen forcierten Ausbau der Offshore-Windenergie in den kommenden Jahren vor. Insbesondere muss von einem deutlichen Anstieg der Arbeitsplätze auf hoher See in den Windparks in den nächsten Jahren ausgegangen werden und so gilt es, Maßnahmen zur Vermeidung von Arbeitsunfällen in den Offshore-Windparks stetig an diese Entwicklung anzupassen.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Rettungslogistik, -technik und -medizin ein bestmögliches Rettungskettenkonzept für Unfallverletzte in Offshore-Windparks zu erarbeiten, um hieraus Empfehlungen für die zukünftige Gestaltung der Rettungskette abzuleiten. Aus Sicht der gesetzlichen Unfallversicherung muss diese Gestaltung eine Erstversorgung Verletzter unter den besonderen Verhältnissen der im Windpark vorhandenen Gegebenheiten berücksichtigen. So ist die Zugänglichkeit der Anlagen maßgeblich von den Wetter- und Seegangsbedingungen abhängig. Im Rahmen des Forschungsprojekts müssen auch die erschwerten Bedingungen des Rettungstransports von einer Windenergieanlage über See zum Unfallkrankenhaus betrachtet werden.

Das Kick-Off-Meeting markiert den offiziellen Beginn der Forschungsarbeiten des Projektteams, dem neben Notfall-, Rettungs- und Unfallmedizinern auch Biomechaniker, Meereswissenschaftler, Physiker, Ingenieure, Juristen und Vertreter der Berufsgenossenschaften angehören. Beabsichtigt ist die Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen, Verbänden und Fachleuten im Sinne einer förderlichen maritimen Sicherheitspartnerschaft für Offshore-Windparks. Auch weitere Berufsgenossenschaften beteiligen sich langfristig an diesem Projekt.

Rückfragen zum Forschungsprojekt:
Prof. Dr. med. Christian Jürgens
Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sporttraumatologie
Projektleiter „Rettungskette Offshore Wind“
Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus Hamburg
E-Mail: c.juergens@buk-hamburg.de

Dr. rer. nat. Nils Weinrich
Stellv. Projektleiter „Rettungskette Offshore Wind“
Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus Hamburg
Labor für Biomechanik
E-Mail: n.weinrich@buk-hamburg.de

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