Schallschutz bei der Gründung von Offshore-Windenergieanlagen:

Etwa 100 Experten und Interessierte diskutierten bei Fachtagung in Rostock 

Unter der Federführung der Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE fand gestern in der Industrie- und Handelskammer zu Rostock die Fachtagung “Vermeidung von Unterwasserschall bei der Gründung von Offshore-Windenergieanlagen: Anforderungen und Möglichkeiten” statt. 

Die Veranstaltung bildete den Auftakt einer Fachtagungsreihe im Rahmen des OffWEA-Projektes, welches die Stiftung im Auftrag des Bundesumweltministeriums zur fachlichen Unterstützung der Bundesregierung bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der Offshore-Strategie leitet.

Rostock – Rund 100 Fachleute und Praktiker mit Bezug zum Thema diskutierten das Spannungsfeld von Anforderungen und Möglichkeiten des Schallschutzes bei der Gründung von Offshore-Windenergieanlagen. Der Teilnehmerkreis setzte sich zusammen aus Schallschutzfachleuten, Biologen, Entwicklern von Offshore-Projekten, Vertretern der Naturschutzverbände und der maritimen Wirtschaft ebenso wie aus Mitarbeitern der Genehmigungs- und Naturschutzbehörden des Bundes und der Küstenländer sowie des Bundesumweltministeriums.

Nach den Grußworten von Jörg Kuhbier, dem Projektleiter von OffWEA und Vorstandsvorsitzenden der Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE und Jens Lüdeke aus dem Bundesumweltministerium wurde das Spannungsfeld zwischen naturschutz-fachlichen Anforderungen und technologischer Machbarkeit von verschiedenen Seiten betrachtet.

Die Herausforderung: Offshore-Ausbauziele erreichen mit minimaler Umweltbelastungen 

Die Offshore-Windenergie ist zentraler Bestandteil der Energiewende hin zu einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Energieversorgung in Deutschland. Bei der Errichtung von Offshore-Windenergieanlagen kommt es allerdings zu einer erhöhten Schallbelastung, die Meeressäugern wie Schweinswalen, aber auch Fischen und Benthos schaden kann. „Gemeinsam mit Forschungseinrichtungen, Naturschutzverbänden und Branchen-Experten diskutieren wir intensiv, welche Anforderungen des Naturschutzes zur Vermeidung gefährlicher Schallpegel zu stellen sind und wie eine solche Schalldämmung mit den derzeit zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten kurzfristig realisiert werden kann“, erklärt Jörg Kuhbier.

 

Zudem besteht Forschungsbedarf sowohl bei der empirischen Erfassung der Auswirkungen des Schalls auf die Meeresumwelt als auch bei der Entwicklung verbesserter Schallschutzmethoden. Außerdem wird an alternativen, weniger lärmintensiven Gründungstechnologien für Offshore-Windenergieanlagen geforscht.

Dr. Georg Nehls von BioConsult Schleswig-Holstein erläuterte zunächst die Auswirkungen von Unterwasserschall auf die Meeresumwelt, die in bisherigen Untersuchungen nachgewiesen werden konnten. Zudem erklärte Dr. Michael A. Bellmann vom Institut für technische und angewandte Physik (itap) in Oldenburg, welche technischen Möglichkeiten zur Reduzierung der Schallemissionen beim Rammen von Fundamenten für Offshore-Windenergieanlagen derzeit bereits zur Verfügung stehen und welche Schallschutz-methoden sich noch in der Entwicklungs- und Erprobungsphase befinden.

Übergangslösungen verkleinern Diskrepanz zwischen Anforderungen und Möglichkeiten 

Die Anforderungen können aus Sicht der Naturschutzverbände mit derzeit zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten noch nicht voll erfüllt werden. Zurzeit werde mit Übergangslösungen, wie zum Beispiel dem sogenannten Blasenschleier, gearbeitet. Bei dieser Konstruktion wird mittels Kompressoren ein Unterwasser-Schleier aus Luftblasen erzeugt, der die Rammpfähle ummantelt und so den entstehenden Schall dämpft.

„Derartige Schallschutzstrategien und -methoden sind im Vollzug der erteilten Baugenehmigungen  für Offshore-Windparks  verpflichtend vorgeschrieben“, erläutert Christian Dahlke vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. „Es geht darum, marine Säuger nicht zu schädigen und deswegen den Schall auf unter 160 Dezibel in 750 Metern  Entfernung zu reduzieren“, so Dahlke weiter.

Als Vertreter der Umwelt- und Naturschutzverbände betonte Dr. Karsten Brensing von der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) den befristeten Übergangscharakter der lärmintensiven Rammgründungen. „Zur Zeit steht die Entwicklung und Erprobung  alternativer Gründungstechnologien im Vordergrund “, mahnt Dr. Brensing.„Genehmigungsbehörden, Industrie und Wissenschaft sind hier gemeinsam in der Verantwortung“, so Brensing weiter.

Planungshorizonte und ein Blick über die Grenzen

Holger Grubel, Leiter des Offshore-Projektes DanTysk von Vattenfall, das 2012/2013 in Bau gehen wird, stellte die komplexen logistischen Planungsabläufe in der Errichtungs-phase eines Offshore-Windparks vor und machte deutlich, dass vor diesem Hintergrund ein frühzeitiges Einplanen der Schallschutzaktivitäten zwingend erforderlich ist. Auch sollte die Entwicklung in anderen Ländern im Auge behalten werden, denn „auch in Großbritannien und Dänemark, wo derzeit kein Schall-Grenzwert existiert, wird das Thema seit längerem diskutiert“, erklärt Julia Bjørneboe vom dänischen Unternehmen Dong Energy Wind Power.

PM: Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE
Pressebüro
c/o Katja Weinhold
presse@offshore-stiftung.de
www.offshore-stiftung.de

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