Innovation im Achental: Holzvergasungsanlage mit effizienter Heatpipe-Technologie geht in Betrieb

Der moderne Holzvergaser ermöglicht die Energiegewinnung aus biogenen Abfallstoffen und ist damit beispielhaft für eine dezentrale ökologische und zugleich wirtschaftliche Energieversorgung in ländlichen Regionen.

Grassau – Das Achental im südlichen Oberbayern präsentiert ein neues Wahrzeichen für die effiziente Nutzung von Bioenergie auf dem Gelände des Biomassehofs in Grassau:

eine Vergasungsanlage, die sich mit Biokraftstoffen der zweiten Generation wie Landschaftspflegeholz und Reststoffen aus der Forstwirtschaft selbst in einer kleinen Anlage wirtschaftlich betreiben lässt.

Die beachtliche Leistung des Wirbelschichtvergasers von 380 kW Strom und 630 kW Wärmeenergie mit einem Wirkungsgrad von insgesamt 80 Prozent konnte bislang nur im Betrieb von Großanlagen erreicht werden.
Doch dank des neuen Verfahrens auf Basis von Heatpipes wird die Belieferung von etwa 500 Haushalten mit Wärme und Strom im Achental langfristig gewährleistet. Zugleich spart die Anlage jährlich bis zu 2.800 Tonnen des Treibhausgases CO2  ein. Sie ist damit beispielhaft für eine dezentral angelegte, ökologische und zugleich wirtschaftliche Energieversorgung in ländlichen Regionen.

Grafik Funktionsweise Heatpipe-Reformer von agnion
Grafik Funktionsweise Heatpipe-Reformer von agnion

Weltweit erster Holzvergaser mit Heatpipe-Technologie
Die Innovation des Holzvergasers im Achental basiert auf einer Technik, die vor rund zehn Jahren an der Technischen Universität München entwickelt und von der agnion Technologies GmbH aus Pfaffenhofen a. d. Ilm zur Marktreife geführt wurde. Das technische Konzept basiert auf einem sogenannten Heatpipe-Reformer. Mit dessen Hilfe werden die erforderlichen Wärmeströme bei geringem Temperaturgefälle und hoher spezifischer Leistung zwischen Brennkammer und Reformer übertragen. Damit wird das Kernproblem des Wärmeeintrages zur Brennstoffvergasung auf einfache Weise energieeffizient und umweltfreundlich gelöst.

Zehn Musterprojekte zur Nutzung von Bioenergie im Achental
Ein Holzvergaser lässt sich nur dann ökologisch und wirtschaftlich effizient betreiben, wenn die nötige Infrastruktur zur Beschaffung und Verwertung der biogenen Stoffe zur Verfügung steht. Hier haben die Gemeinden des Achentals Vorarbeit geleistet. Insgesamt zehn „Gipfelprojekte“ befassen sich mit dem Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energieressourcen im Achental.

Unter dem Motto „Bioenergie mit Augenmaß“ wurde auf einer landwirtschaftlich nur eingeschränkt nutzbaren Fläche eine Kurzumtriebsplantage mit schnell wachsenden Pappeln angelegt. Für deren Holz garantiert der Biomassehof Achental in Grassau die Abnahme und sorgt damit für eine regionale Verwendung des Rohstoffes. Der Biomassehof selbst bildet den organisatorischen Knotenpunkt der Bioenergie-Region Achental und ist der Motor für den Ausbau der bioenergetischen Wertschöpfungsketten. Vor Ort werden nicht nur Holzhackschnitzel und Brennstoffe aus biogenem Abfall für die regionale Versorgung und für das Fernwärmenetz Grassau produziert. Der Biomassehof ist auch Standort des neuartigen Holzvergasers und seine Mitarbeiter sind in Kooperation mit der agnion Technologies GmbH die Initiatoren für dessen Errichtung und Inbetriebnahme.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) unterstützt zudem die Initiative zur „Optimierung regionaler Kreisläufe zur Bereitstellung biogener Brennstoffe“. In deren Rahmen wird unter anderem untersucht, welche Anpassungen bei der im Achental erzeugten Biomasse hinsichtlich Zusammensetzung und Aufbereitung nötig sind, um die bestmögliche Verwertung zu gewährleisten, sei es zur Vergasung im Heatpipe-Reformer oder zur Verbrennung im Heizwerk des Fernwärmenetzes Grassau.
„Nur über Projekte, die einem ganzheitlichen Konzept folgen, können wir maßgeblich zur Energiewende und damit zum Klimaschutz beitragen“, sagt Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer der Biomassehof Achental GmbH & Co. KG und des Vereins Ökomodell Achental. „Bioenergie ist nur dann ökologisch einwandfrei, wenn deren Produktion nicht in Konkurrenz zur Herstellung von Nahrungsmitteln steht und wertvolle Natur- und Kulturlandschaft erhalten bleibt.“

Energieautarkie als Zukunftsprojekt
Ehrgeiziges Ziel der fortschrittlichen Bewohner des oberbayerischen Achentals ist ihre energetische Unabhängigkeit bis zum Jahr 2020. Unterstützt wird die Bioenergie-Region dabei von nationalen und europäischen Institutionen. Das Projekt des Heatpipe-Reformers Grassau erhält Förderungen von Seiten des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im Rahmen der BMU Klimaschutzinitiative und des Umweltschutzinnovationsprogramms.

Über die Bioenergie-Region Achental
Die „Bioenergie-Region Achental“ umfasst die Gemeinden Bergen, Grabenstätt, Grassau, Marquartstein, Übersee, Unterwössen, Schleching, Staudach-Egerndach und Reit im Winkl im Süden des Landkreises Traunstein in Oberbayern. Die Initiative verfolgt die nachhaltige ökonomische Entwicklung der Region unter Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft, der Sicherung landwirtschaftlicher Betriebe und regionaler Produktvermarktung, der Förderung eines naturverträglichen Gewerbes und Tourismus und der ausschließlichen Nutzung regional erzeugter, erneuerbarer Energien. Gefördert wird die „Bioenergie-Region Achental“ vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. Im Rahmen der von der EU unterstützten Initiative „BioRegions“ ist das Achental Vorzeigemodell für intelligente Biomassenutzung in Europa. Weitere Informationen unter www.bioenergie-region-achental.de

Kontakt
Die Konzepter Kommunikation.Kreation
Petra Hettenkofer
E-Mail: p.hettenkofer(at)konzepter-agentur.de
www.konzepter-agentur.de

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