Professor Dr. Fritz Vahrenholt: Erneuerbare Energien werden zu einer tragenden Säule

Den 27. Ingenieurtag im "Haus der Technik" in Essen moderierte der Journalist Jürgen Zurheide, hier zusammen mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Professor Dr. Fritz Vahrenholt und Bergwerksdirektor Wolfram Zilligen, Sprecher des Ingenieurrates (v.l.n.r.). (Fotos: Bistum Essen/Hans Hartwig
Den 27. Ingenieurtag im "Haus der Technik" in Essen moderierte der Journalist Jürgen Zurheide, hier zusammen mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Professor Dr. Fritz Vahrenholt und Bergwerksdirektor Wolfram Zilligen, Sprecher des Ingenieurrates (v.l.n.r.). (Fotos: Bistum Essen/Hans Hartwig

Erneuerbare Energien werden zu einer tragenden Säule / Professor Dr. Fritz Vahrenholt sprach beim Ingenieurtag im Bistum Essen

Erneut hat der Vorstandsvorsitzende der RWE Innogy GmbH Essen, Professor Dr. Fritz Vahrenholt, seine Meinung bekräftigt, dass die von vielen prognostizierte Klimakatastrophe nicht stattfinde und die nächsten Jahrzehnte eher zu einer leichten Erdabkühlung als zu einer weiteren Erwärmung führen würden. „Die Erderwärmung der letzten 150 Jahre ist Teil eines natürlichen Zyklus, der überwiegend von der Sonne geprägt wird“, betonte Vahrenholt vor mehr als 600 Teilnehmern auf dem 27. Ingenieurtag im Bistum Essen. Temperatur, Kohlendioxyd und die Sonnenaktivität würden eine starke Parallelität aufweisen. Die beiden Letzteren seien in den letzten 150 Jahren stark angestiegen. Der Weltklimarat (IPPC) kommt nach Ansicht des RWE-Managers zu einer „völlig falschen Prognose“. Dieser gehe von einem Temperaturanstieg um vier Grad bis Ende dieses Jahrhunderts aus. Vahrenholt dagegen rechnet mit nur einem Grad.

In seinem Vortrag zum Thema „Die Zukunft der Energieversorgung. Herausforderungen durch die Energiewende“ verzichtete er darauf, den Atomausstieg und die Energiepolitik der Regierung zu kommentieren. Der Manager verwies darauf, dass erneuerbare Energien (EE) das Wachstumsgeschäftsfeld des RWE-Konzerns seien. Dessen Stromerzeugung solle in 2025 zu einem Drittel aus erneuerbaren Energien kommen. „Diese werden zu einer tragenden Säule der Energieversorgung in Europa“, so Vahrenholt. Auch wenn Klimaschutz als Hauptargument für erneuerbare Energien angeführt werde, dürfe man die Aspekte Wettbewerbsfähigkeit und Importabhängigkeit nicht außer Acht lassen.

Vahrenholt verwies darauf, dass Deutschland bislang immer einen Energieüberschuss hatte, jetzt aber rund 30 Prozent des Energiebedarfs importieren müsse. „Das macht uns abhängig von unseren Nachbarländern“, so der Manager. Deshalb fordert er einen europäischen Ansatz beim Ausbau der Kapazitäten und der Netzinfrastruktur.

Netzausbau dringend erforderlich
„Es nutzt nichts, wenn wir im Norden Milliarden in Offshore-Windanlagen investieren, der Strom mangels erforderlicher Leitungskapazität aber nicht im Süden ankommt“, gab Vahrenholt zu bedenken. Deshalb sei ein Ausbau der Netzte dringend erforderlich. Schon heute brächten erneuerbare Energien die bestehenden Netze an ihre Belastungsgrenzen. Der Bau neuer Stromtrassen brauche Zeit, vor allem aber auch Akzeptanz in der Gesellschaft.

Wenn die Energiewende gelingen soll, muss nach Ansicht von Vahrenholt die Integration „volatiler“ (schwankender) Erzeugung erneuerbarer Energie in den Strommarkt verbessert werden. „Mal haben wir keinen Wind, mal keine Sonne“, so der Manager. Die Natur funktioniere eben nicht „auf Knopfdruck“. Das führe zu einer Spannung zwischen Angebot und Nachfrage. „In Starkwind- und Schwachlastzeiten wird sogar für die Abnahme von Strom gezahlt“, so Vahrenholt. Es sei notwendig, hier mit den Kosten „runter zu kommen“ und wettbewerbsfähig zu werden.

Dringend erforderlich sei – so der Manager – auch der Ausbau ortsnaher Speicher. Es müsse Vorsorge getroffen werden für die Zeit des Jahres, wenn der Wind nicht blase und die Sonne nicht scheine. „Das sind beim Wind drei Viertel des Jahres, bei der Sonne 90 Prozent des Jahres“, so Vahrenholt. Pumpspeicherkraftwerke seien hier die erste Wahl. Auch hier sei eine gesellschaftliche Akzeptanz notwendig. Eine Lösung sieht er auch in flexiblen neuen konventionellen Kraftwerken (Braunkohle/Gas). Diese könnten ihre Leistung schnell absenken und wieder ansteigen lassen.

Kosten müssen sinken
Damit die Energiewende gelingen könne, müssten außerdem die Kosten erneuerbarer Energien stark sinken, um wettbewerbsfähig zu werden. Onshore-Windanlagen mit größeren Rotordurchmessern und Nabenhöhen seien an guten Standorten bereits in die Wirtschaftlichkeit geführt worden. Offshore-Anlagen befänden sich mitten in der „Pionierphase“. Wasserkraft spiele aufgrund fehlenden Potenzials eine untergeordnete Rolle. Einen großen Beitrag zum Gelingen der Energiewende könnte die Biomasse sein. Sie sei speicher-, lager- und regelfähig. Vahrenholt wies jedoch darauf hin, dass die Ackerfläche in Deutschland nicht beliebig vergrößerbar sei und nicht mehr als 20 Prozent für die energetische Nutzung herangezogen werden könne. Solarthermie und Photovoltaik stellten in Südeuropa und Nordafrika eine Option dar. Die Förderung dieser Energien in Deutschland belastet nach Ansicht des Managers die Energiewende. Zukunft hätten die  erneuerbaren Energien nur unter folgenden Voraussetzungen: signifikante Kostendegression, starke Verbesserung der Integration in den Strommarkt (Netzausbau, Regelenergie, Speicher) sowie Verbesserung der öffentlichen Akzeptanz.

In der von Jürgen Zurheide moderierten Veranstaltung machte Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck deutlich, dass bei allen Veränderungen im Energiesektor der Mensch im Blick bleiben müsse. „Gerade im Ruhrgebiet sind wir von energieintensiven Industriearbeitsplätzen abhängig“, gab der Bischof zu bedenken. Deshalb sei die Sicherung von Arbeitsplätzen von großer Bedeutung. Auch bei der Energiefrage gehe es der Kirche um die „Bewahrung der Schöpfung“, um einen verantwortungsvollen und gerechten Umgang mit den Ressourcen dieser Erde. „Das sind wir den zukünftigen Generationen schuldig“, betonte Overbeck. Was die zunehmende Nutzung von Agrarflächen für die Erzeugung von Biogas betrifft, habe die Kirche ethisch begründete Bedenken. Agrarflächen seien zur Erzeugung von Lebensmittel da. „Wie ist der jetzige Trend mit dem Hungerproblem in der Welt vereinbar?“, fragte er. Diese Form des „Missbrauchs der Schöpfung“ müsse aufhören.

Dass sich auch die RAG intensiv mit dem Thema „Erneuerbare Energien“ befasse, hatte zuvor der Sprecher des Ingenieurrates im Bistum Essen, Wolfram Zilligen, in seiner Begrüßung betont. „Es gibt grüne Ideen und Möglichkeiten, um auch unter Tage die Energiewende mitzugestalten“, so der Direktor des Bergwerkes Prosper Haniel in Bottrop. „Sicherheit und Bezahlbarkeit von Energie sowie Nachhaltigkeit politischer Entscheidungen“ seien die Herausforderungen, die bewältigt werden müssten.  (do)

PM: Bistum-Essen

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