Wie hängen Kohlenstoffemissionen, Lebenserwartung und Einkommen zusammen?

Menschen in Ländern mit niedriger Kohlenstoffemission können zwar eine verhältnismäßig hohe Lebenserwartung erreichen, nicht aber hohe Einkommen. WissenschaftlerInnen veröffentlichten diese und weitere Ergebnisse Ende Jänner in der Publikation “Nature Climate Change”.
Bisher wurden folgende Zusammenhänge angenommen: Menschliche Entwicklung braucht Wirtschaftswachstum, Wirtschaftswachstum braucht mehr Energie und damit erhöhte Treibhausgas-Emissionen. Die Menschheit könne sich also nicht weiterentwickeln, ohne weiter die Ressourcen der Erde auszubeuten. Mittlerweile geht man davon aus, dass die Verbindungen weder so stark noch so allgemein gültig sind, wie ursprünglich angenommen. Die gegenseitigen Abhängigkeiten sind Gegenstand zahlreicher Forschungen.

Julia K. Steinberger (Universität Leeds & Alpen-Adria-Universität) hat nun gemeinsam mit J. Timmons Roberts, Glen P. Peters und Giovanni Baiocchi einen Artikel zu den Zusammenhängen zwischen Kohlenstoffemissionen und menschlicher Weiterentwicklung im “Nature Climate Change” herausgebracht.

In den Untersuchungen wurden Lebenserwartung, Einkommen und Kohlenstoff-Emissionen in Verhältnis zueinander gesehen. Dabei wurde auch beachtet, ob es sich um territoriale Emissionen (z. B. durch Industriebetriebe im jeweiligen Land) oder um konsumbasierte Emissionen (hier werden importierte Emissionen addiert und exportierte Emissionen substrahiert, daraus ergeben sich Netto-Werte) handelt. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass im Sinne des zweiten Ansatzes die meisten kohlenstoffexportierenden Länder wie die ehemalige Sowjetunion, Osteuropa, der Nahe Osten oder Südafrika sowohl bei der Lebenserwartung als auch bei dem Einkommen im mittleren Bereich liegen. Kohlstoffimportierende Länder dagegen sind eine äußerst heterogene Gruppe, die aus zwei Extremen besteht: Einerseits handelt es sich um die ärmsten Länder, die sowohl teure fossile Brennstoffe als auch kohlenstoff-intensiv produzierte Waren importieren müssen. Andererseits besteht diese Gruppe aus jenen Ländern mit dem höchsten sozio-ökonomischen Status mit hoher Lebenserwartung und durchschnittlich höherem Einkommen pro Kopf.

Bei den Forschungen hat sich herausgestellt, dass sowohl territorial als auch konsumbasierte Kohlenstoffemissionen in hohem Maße mit der menschlichen Entwicklung korrelieren, die Form und Stärke des Verhältnisses zwischen Kohlenstoffemission und Einkommen sich aber stark von dem Verhältnis zwischen Kohlenstoffemission und Lebenserwartung unterscheidet.

Der Ländervergleich zeigt, dass es zwar möglich ist, gleichzeitig niedrige Kohlenstoffemissionen und eine hohe Lebenserwartung zu erzielen, dies aber nur bei moderatem Einkommen der Menschen möglich ist. Wirtschafts- und Umweltziele scheinen im Widerspruch zueinander zu stehen, zumindest wenn die höchsten BIP-Werte pro Kopf als Indikator herangezogen werden. Die ForscherInnen konnten weiters aufzeigen, dass es eine große Vielfalt von Entwicklungsmöglichkeiten in den Ländern gibt, die nicht notwendigerweise den globalen Trends folgen müssen. Julia K. Steinberger zu den weiteren Perspektiven: “Die Ergebnisse können für die Klimaforschung und die Entwicklungsplanung von großer Bedeutung sein. Grundsätzlich gilt es wohl, nicht auf Kosten der Stabilität des Klimas Wirtschaftswachstum voranzutreiben.”

Julia K. Steinberger ist Wissenschaftlerin im Bereich Ökologische Wirtschaftswissenschaft am Sustainability Research Institute der Universität Leeds. Daneben ist sie in einem Forschungsprojekt am Institut für Soziale Ökologie (Alpen-Adria-Universität) in Wien tätig.

PM: Dr. Romy Müller

UNI Services

Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

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