In 40 Jahren soll sich unser Energiesystem komplett revolutionieren

Energiewende: viele Schritte führen ins regenerative Zeitalter.

In 40 Jahren soll sich unser Energiesystem komplett revolutionieren. Statt Erdöl, Kohle und Kernenergie werden dann erneuerbare Energien unseren Strom liefern. Dieser Umbauprozess ist jedoch kein Selbstläufer – im Gegenteil: Wir stehen am Beginn eines langen Prozesses.

Die gesamte Energiebranche steht vor milliardenschweren Investitionsentscheidungen, die Energie-Infrastruktur muss modernisiert werden.

Aufgabe der Politik ist es, die Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen und Hemmnisse zu beseitigen. Dabei muss die Energiewende in Schritten erfolgen, damit sie bezahlbar bleibt und sie Verbraucher und Wirtschaft nicht zu stark belastet.

Deutschland soll auch künftig ein wettbewerbsfähiger Industriestandort bleiben. Durch eine Führungsrolle in der Energietechnologie können sich deutsche Unternehmen außerdem viele Vorteile in internationalen Märkten verschaffen.
Erfolg der erneuerbaren Energien

Im Juni 2011 hat die Bundesregierung durch ein umfassendes Gesetzespaket die Energiewende beschleunigt, die bereits im September 2010 angelegt war. Wichtige Weichenstellungen greifen schon jetzt:

2011 haben die erneuerbaren Energieträger im Strommix einen neuen Rekord erreicht. Sie liefern mittlerweile ein Fünftel der Stromversorgung. Das ist mehr als die Kernenergie beiträgt. Ein zentraler Baustein des künftigen Energiemixes ist die Windenergie zu Land und auf dem Meer.

Ein aktuelles Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt den Ausbau von Windparks im Meer mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro. Damit können große Stromkapazitäten aus erneuerbaren Energien genutzt werden. Gegenwärtig haben über 2.000 Turbinen eine Baugenehmigung und 84 Windfarmen mit insgesamt 3.600 Turbinen in Nord-und Ostsee sind beantragt.
Kosten steuern und trotzdem weiter ausbauen

Die Bundesregierung hat die Förderung der erneuerbaren Energien stetig an deren Zuwachsraten angepasst und Fehlentwicklungen korrigiert. Die Senkung der Produktionskosten und der starke Ausbau machten es z. B. möglich, die Förderung vor allem der Photovoltaik-Anlagen abzubauen und im Gegenzug mehr Anreize für Selbstvermarktung des „Bio“stroms zu geben. Damit wurden die Verbraucher und die Wirtschaft entlastet, andererseits der wichtige Ausbau nicht abgewürgt.

Die Förderung für Solaranlagen ist zuletzt Anfang 2012 um 15 Prozent gesunken, mit zusätzlichen Kürzungen zwischen 12 und 15 Prozent ist im Juli zu rechnen. Im Januar 2013 wird eine weitere Senkung um mindestens 9 Prozent erfolgen. Insgesamt wird damit die Vergütung seit 2010 um die Hälfte gesunken sein.

Diesen Weg der Kosteneffizienz wird die Bundesregierung weiter verfolgen. Im Frühjahr wird das Bundesumweltministerium weitere Vorschläge hierzu machen.

Volkswirtschaftliche Effekte der erneuerbaren Energien:

• Der Anteil der erneuerbaren Energien allein an der Stromerzeugung ist auf 20 Prozent angestiegen – von 4,7 Prozent im Jahr 1998.

• 27 Milliarden Euro sind allein 2010 in den Sektor investiert worden – davon gehen 90 Prozent auf das erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zurück.

• Die Branche beschäftigt inzwischen 370 000 Menschen – zwei Drittel davon sind auf das EEG zurückzuführen.

• Deutschland importiert weniger Öl, Erdgas und Kohle – insgesamt in einem Volumen von jährlich 5,8 Milliarden Euro.

• ca. 75 Millionen Tonnen Treibhausgase hat allein schon der Strom aus erneuerbaren Energien im Jahr 2010 vermieden. Kommen Wärme und Kraftstoffe hinzu, ergibt sich ein Wert von rund 120 Millionen Tonnen.

• Untersuchungen zufolge haben die regenerativen Energien beispielsweise im Jahr 2010 Umweltschäden im Wert von 4,8 Milliarden Euro (Strom) und 2,4 Milliarden Euro (Wärme) verhindert.
Energiesparen

Energiesparen ist neben den erneuerbaren Energien der zweite zentrale Baustein der Energiewende. Auf Gebäude entfallen rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen. Entsprechend stark können die Gebäude zu den Klimaschutz- und Energieeffizienzzielen beitragen. Die Bundesregierung hat daher das CO2-Gebäudesanierungsprogramm von 2012 bis einschließlich 2014 auf 1,5 Milliarden Euro pro Jahr aufgestockt.

Bis 2021 werden Neubauten stufenweise an den Niedrigstenergiegebäude-Standard herangeführt. Die öffentliche Hand wird als Vorbild voranschreiten und diesen Standard bei ihren Neubauten bereits ab 2019 erfüllen.

Für den Gebäudebestand wird ein langfristiger Sanierungsfahrplan erarbeitet, um Hauseigentümern einen Orientierungsrahmen für den Sanierungsprozess bis 2050 zu geben. Die bereits sehr anspruchsvollen energetischen Mindeststandards werden regelmäßig überprüft und erhöht, soweit dies unter Berücksichtigung der Belastungen für Eigentümer und Mieter wirtschaftlich möglich ist. Der Energieausweis als Informationsinstrument wird gestärkt.

Zudem gibt es unter dem Dach des so genannten Energie- und Klimafonds einen Energieeffizienzfonds, der Einspar-Anreize für Verbraucher, Mittelstand, Industrie und Kommunen setzt.

Gefördert werden unter anderem: Unternehmens-Investitionen in energieeffiziente Querschnitttechnologien, hocheffiziente Produktionsprozesse, die Einführung von Energiemanagementsystemen, Energie- und Stromsparchecks für Mieter und Wohneigentümer, Verbraucherinformationen und die Markteinführung effizienter Produkte.

Erst im Dezember 2011 hat das Kabinett einen Entwurf zur Neuordnung der Energieverbrauchskennzeichnung beschlossen. Das bekannte EU-Energielabel wird künftig auf weitere, so genannte energieverbrauchsrelevante Produkte ausgedehnt. Dies bedeutet, dass künftig nicht nur Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Fernseher, sondern beispielsweise auch gewerbliche Produkte mit Hilfe eines EU-Effizienzlabels über ihren Energieverbrauch informieren. Gemeint sind außerdem Produkte, die selbst Energie verbrauchen oder Auswirkungen auf den Energieverbrauch haben, z. B. Fenster oder Heizkessel.

Zum 1. Januar 2012 ist die Förderung von Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung noch effektiver geworden. Bei diesen Anlagen – z. B. in einem Blockheizkraftwerk – sind Strom- und Wärme-Erzeugung gekoppelt. Damit wird der eingesetzte Brennstoff sehr viel effizienter genutzt als bei der herkömmlichen Produktion in getrennten Anlagen. Da geringere Brennstoffmengen verbraucht werden, fallen auch weniger klimaschädliche CO2-Emissionen an.
Stromnetze

Energieversorgung aus erneuerbaren Energien ist anspruchsvoll und unterscheidet sich von einem herkömmlichen Energiesystem aus fossilen und Kernkraftwerken. Die natürlichen Energiequellen Sonne, Wind, Wasser und Biomasse produzieren viel, aber an vielen Standorten und weniger gleichförmig. Diese Unterschiede müssen durch die Stromnetze ausgeglichen werden. Nötig sind auch Stromspeicher, die die Energie für den Fall der Flaute vorhalten.

Die Bundesregierung fördert deshalb den Netzausbau. Bis 2015 müssen rund 400 Kilometer Höchstspannungsnetz verstärkt und 850 Kilometer neu gebaut werden – 130 Kilometer sind bereits fertiggestellt. Ein neues Gesetz hilft, den Netzausbau schneller voran zu treiben. Darauf aufbauende Verordnungen werden 2012 die Genehmigungsverfahren vereinfachen und beschleunigen. Eine bundesweite Planung der Netztrassen ist in Vorbereitung. Bis Sommer 2012 müssen die Netzbetreiber hierzu einen Plan vorlegen, der die Entwicklung in den nächsten zehn Jahren beschreibt.

Beim Ausbau der Stromnetze führt die Bundesregierung einen engen Dialog mit allen betroffenen Gruppen. In der Plattform „Zukunftsfähige Energienetze“ bringt das Bundeswirtschaftsministerium Vertreter von Bund, Ländern, Netzbetreibern, Wirtschafts-, Verbraucher- und Umweltverbänden an einen Tisch. Die Plattform kommt viermal im Jahr zusammen.

Um insbesondere die Offshore-Anlagen mit Windenergie schneller anzuschließen, hat das Bundeswirtschaftsministerium im Januar 2012 eine gesonderte Arbeitsgruppe gegründet. Daran nehmen außer den Regierungsbehörden teil: Netzbetreiber, Vertreter von Offshore-Windparks, der Zulieferindustrie und der Versicherungsbranche. Sie will zeitnah Lösungen für Probleme wie Schwierigkeiten bei der Finanzierung oder Genehmigungen entwickeln. Kurzfristig soll auch eine Haftungsbeschränkung für Übertragungsnetzbetreiber beim Anschluss von Offshore-Windparks eingeführt werden, um Investitionsrisiken zu senken.
Technik weiterentwickeln

Die Energiewende braucht auch alle Anstrengungen der Wissenschaft. Denn um noch mehr Energie und Kosten zu sparen, um Rohstoffe und Umwelt zu schonen sind technische Antworten nötig. Für Energieforschung hat die Bundesregierung deshalb ein eigenes Programm aufgelegt. Erfindungen fördern und marktreif machen: dafür steht in den Jahren 2011 bis 2014 ein Volumen von 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Da die Speicherung der erneuerbaren Energien so wichtig ist, startete die Bundesregierung ein ihrem Energieforschungsprogramm auch eine spezielle Förderinitiative „Energiespeicher“. Sie ist mit 200 Mio. Euro ausgestattet. Erste Leuchtturmprojekte werden im Frühjahr 2012 starten.

Quelle: Bundesregierung

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