Gesamtzahl der vom Bundesamt für Seeschifffahrt (BSH) genehmigten Windenergieanlagen bis Ende 2011

2011 stand für das BSH im Zeichen der Windenergie.

Berlin, 11.01.2012. Die Gesamtzahl der vom Bundesamt für Seeschifffahrt (BSH) genehmigten Windenergieanlagen überschritt im Jahr 2011 die Zahl von 2.000 genehmigten Einzelanlagen. Insgesamt hat das BSH seit der ersten Genehmigung eines Windparks (alpha ventus, ehemals Borkum West) im November 2001 in Nordsee und Ostsee 28 Projekte genehmigt. 84 Anträge für weitere Vorhaben liegen dem BSH vor.

Anlässlich der Bilanzpressekonferenz 2011 des BSH im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) sagte Prof. Klaus-Dieter Scheurle, Staatssekretär im BMVBS: „Die erneuerbaren Energien sind die tragende Säule für unsere Energieversorgung der Zukunft. Ihr Ausbau ist das zentrale Ziel des Energiekonzeptes der Bundesregierung. Bis 2030 sollen deutsche Offshore-Windanlagen 25 Gigawatt Strom erzeugen und damit die Jahresleistung von rund 20 Atomkraftwerken ersetzen. Um dieses anspruchsvolle Ziel zu erreichen, werden wir Genehmigungen künftig vereinfachen und Verfahren beschleunigen.“

Monika Breuch-Moritz, Präsidentin des BSH, ergänzte: „Deutschland hat eine Vorreiterrolle im Bereich der Offshore Windparks in küstenfernen und tiefen Gewässern übernommen. Die ozeanographischen Bedingungen gerade im Bereich der Deutschen Bucht sind sehr schwierig und stellen besondere Anforderungen an die Planung, den Bau und den Betrieb der Offshore Windparks, die z.B. verursacht werden durch stärkere Strömungen, mehr Wellengang und höhere Wellenintensität als in Flachwassergebieten“.
Auf seiner Bilanzkonferenz 2011 in Berlin gab das BSH einen Überblick über seine Aktivitäten im Rahmen von Genehmigung und Begleitung der Offshore-Vorhaben. Lag 2010 der Schwerpunkt noch auf der Genehmigung von Windparks, verlagerte sich 2011 der Schwerpunkt auf Vollzugsverfahren. Im Mittelpunkt stand die amtliche Begleitung der Realisierung der genehmigten Windparks.

Erste Ergebnisse der ökologischen Begleitforschung von alpha ventus
Monika Breuch-Moritz stellte erste vorläufige Ergebnisse der ökologischen Begleitforschung an Test-Windpark alpha ventus vor. Die Begleitforschung befasst sich mit den tatsächlichen Auswirkungen des Windparks auf die Umwelt. Sie wird vom BSH koordiniert. In den Untersuchungen zeigt sich die Tendenz einer starken Ansiedlung von Bodenlebewesen wie Schnecken, Krebse, Würmer, Muscheln und Seesternen im Bereich der Anlagenfundamente und – in Folge – vieler Fische. Die Zahl der Todfunde von Zugvögeln ist sehr gering. Vogelschlag kann gehäuft nur eintreten, wenn für die Vögel während des Zugs überraschend Sturm oder Nebel auftreten. Die Ergebnisse der Schweinswalforschung weisen darauf hin, dass das alpha ventus-Gebiet nach wie vor von Schweinswalen aufgesucht wird.

2011 ist es bei der Errichtung von Borkum West II erstmals gelungen, bei Rammarbeiten deutlich unter der Schallgrenze von 160 Dezibel in einer Entfernung von 750 Metern zu bleiben. Dazu werden beispielsweise große Blasenschleier verwendet. Das BSH hat diese Schallgrenze zum Schutz von Meeressäugern verbindlich in seinen Genehmigungen festgelegt.

150 Jahre amtliche Hydrographie in Deutschland
Ein weiterer Schwerpunkt des vergangenen Jahres lag auf der Feier zum Bestehen von 150 Jahren amtlicher Hydrographie in Deutschland. Begann die Seevermessung der kaiserlichen Marine 1861 mit Sextant, Handlot und Kupferstich, hat sie sich heute zu einer modernen Technologie mit Satellitenunterstützung und 3D-Fächerecholotbildern entwickelt. 2011 haben die fünf Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiffe des BSH  13.600 sm (25.000 km) in Nord- und Ostsee vermessen.

Meereskundliche Dienste
2011 traten in Nord- und Ostsee 13 Sturmfluten auf, für die das BSH Warnungen herausgab. Die Schwerpunkte lagen im November und Dezember. Ein Grund dafür liegt in dem bis jetzt warmen Winter mit dafür typischen starken Stürmen aus westlicher Richtung.
Der Winter zu Jahresbeginn war dagegen ein starker Eiswinter mit 87 Eisberichten für die deutsche Küste. Der starke Winter 2010/2011 war ein Wetterextrem, das der allgemeinen Tendenz einer Klimaerwärmung nicht widerspricht.

Insgesamt erstellte das BSH rund 50 Driftprognosen für die Ausbreitung von Öl und die Verlagerung von Gegenständen. Von besonderer Bedeutung waren mehrere Rechnungen für die Havarie der Plattform Gannett Alpha in der Nordsee vor Schottland. Die Modellierungen ergaben, dass die Drift der Ölschicht aus der Pipeline von Gannet Alpha lokal begrenzt blieb und keine der benachbarten Küsten bedrohte.

Maritime Raumordnung
Das BSH gilt beim Aufbau einer maritimen Raumordnung und der sie begleitenden strategischen Umweltprüfung als europaweit führend. Im Rahmen des europäischen Projektes „BaltSeaPlan“ entwickelten unter seiner Leitung 14 Partner aus sieben Anrainerstaaten für den Ostseeraum u.a. Empfehlungen und Leitlinien für eine gemeinsame Meeresraumplanung und entwickelten Entwürfe für grenzüberschreitende Raumordnungspläne.

Dienstleistung für die Schifffahrt
Die deutsche Handelsflotte ist mit 3.371 Schiffen die drittgrößte Handelsflotte weltweit. Davon fahren 645 Schiffe unter deutscher Flagge. Weitere 2.726 deutsche Schiffe fahren unter ausländischer Flagge. Das BSH hatte im abgelaufenen Jahr 238 neue Ausflaggungen zu verzeichnen. Der Reeder wechselt den Flaggenstaat, ohne dass sich die Eigentumsverhältnisse am Schiff selbst ändern. Das waren 125 weniger Neuausflaggungen als in 2010.

Die Schifffahrtsförderung wurde 2011 erstmals konzentriert in die Verantwortung des BSH übergeben. Für das Förderprogramm 2011 wurden im Haushaltsjahr 2011 insgesamt rund 26 Mio. € bewilligt und ausgezahlt. Davon entfallen auf die Ausbildungsplatzförderung rund 3 Mio. € für 215 bewilligte Anträge, auf die Förderung der Lohnnebenkosten rund 23 Mio. € für 347 bewilligte Anträge.

Ausblick auf 2012
Eine der großen Herausforderungen für das Jahr 2012 wird die Stromanbindung der Windparks sein. Ab 2012 wird der Offshore-Netzplan beschreiben, auf welchem Weg welche Kabel durch die See in Richtung Küste geführt werden sollen.

In der Seeschifffahrt wird in 2012 ein wichtiges Thema die Umsetzung des Manila – Übereinkommens der Internationalen Schiffsorganisation (IMO) zur Verbesserung der Ausbildung von Seeleuten sein. Ab 2012 muss die nautische Besatzung eines Schiffes nachweisen, mit ECDIS umgehen zu können. ECDIS (Electronic Chart Display and Information System) ist ein elektronisches Navigationsinformationssystem. Es kombiniert die Seekartendarstellung einer digitalen Navigationskarte mit den Positionsangaben eines Satellitennavigationssystems (GNSS) sowie weiterer Sensoren wie Radar oder Echolot. Damit lassen sich die aktuelle Position des Schiffes und viele Zusatzdaten unmittelbar in der Seekarte darstellen.
Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zu 50 Jahre Sturmflut in Hamburg stellt das BSH ein neues Verfahren vor, mit dem für 30 Pegelstände an der Küste alle 15 Minuten Wasserstandsvorhersagen für die nächsten sechs Tage erstellt werden.

Das BSH ist Partner für Seeschifffahrt, Umweltschutz und Meeresnutzung, der Seeschifffahrt und maritime Wirtschaft unterstützt, Sicherheit und Umweltschutz stärkt, nachhaltige Meeresnutzung fördert, Kontinuität von Messungen gewährleistet und über den Zustand von Nord- und Ostsee kompetent Auskunft gibt.

Das BSH mit Dienstsitz in Hamburg und Rostock ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.
Für Rückfragen:

Susanne Kehrhahn-Eyrich (St)
Leiterin Presse / Öffentlichkeitsarbeit
Email: susanne.kehrhahn-eyrich@bsh.de

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
Bernhard-Nocht-Straße 78, 20359 Hamburg
www.bsh.de

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