Walfang – der Streit zwischen den Nationen geht weiter

Geschützt und gejagt: Wale (hier: abtauchender Pottwal) (Foto: Dietmar Pietschock)

Noch immer sind die Fronten in der Internationalen Walfangkommission verhärtet / Aktueller Artikel schildert Hintergründe
Auch in diesem Jahr werden im Südpolarmeer wieder mehrere hundert Zwergwale gejagt und erbeutet werden. Japan reklamiert für sich eine Fangquote von bis zu 850 Tieren. Dazu könnten auch wieder einige Finnwale kommen. Deklariert als „wissenschaftlicher Fang“, nutzt das Land eine Art Ausnahmegenehmigung, die in dem 1982 international vereinbarten Moratorium zum Stopp des kommerziellen Walfangs vorgesehen war. Seit Jahren tobt in dem zuständigen Gremium, der Internationalen Walfangkommission (IWC), ein erbitterter Streit zwischen den Vertretern der Walfang befürwortenden Nationen wie Japan und den ablehnenden Ländern, zu denen auch Deutschland zählt.

In einem jetzt im Wissenschaftsmagazin ForschungsReport erschienenen Artikel schildert der Fischereibiologe Dr. Karl-Hermann Kock vom Thünen-Institut für Seefischerei in Hamburg, warum die Fronten zwischen den beiden Parteien so verhärtet sind. „Man kann den Streit nicht verstehen, wenn man die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte nicht kennt“, so Kock, der als deutscher Vertreter Mitglied des Wissenschaftsausschusses der IWC ist. So ernährt sich Japan traditionell viel stärker aus dem Meer als beispielsweise die europäischen Nationen und ist darauf bedacht, sich diese Möglichkeit auch weiterhin zu erhalten. Dem Walfangmoratorium stimmte es seinerzeit – im Gegensatz zu Ländern wie Norwegen und Russland – nur auf Druck der USA zu, die anderenfalls die Nutzung der Fischbestände in ihrer 200-Meilen-Zone untersagt hätten. Interessant und allgemein wenig bekannt ist, dass sich die japanischen Aktivitäten noch im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts weitgehend auf Küstenwalfang beschränkten. Für den Niedergang der großen Walvorkommen in den Weiten des Südpolarmeeres waren bis Mitte des 20. Jahrhundert andere Nationen wie Großbritannien, Norwegen und die Sowjetunion verantwortlich. Auch deutsche Fangschiffe beteiligten sich dort in den 1930er Jahren an dem Geschäft mit dem Wal. Der in der 70er Jahren aufgekommene Stimmungswandel ist für viele Japaner nur schwer nachvollziehbar.

Das 1982 beschlossene und 1986/87 in Kraft getretene Walfang-Moratorium sollte so lange gelten, bis eine umfassende Einschätzung der Walbestände weltweit vorliegt und ein sicheres Managementverfahren entwickelt ist. Damit wurde der Wissenschaftsausschuss der IWC beauftragt. Doch diese Aufgaben waren wesentlich komplexer als ursprünglich angenommen. Die Fronten zwischen Walfangbefürwortern und -gegnern verhärteten sich Anfang der 90er Jahre. Alle Versuche, gangbare Kompromisse zwischen den Parteien zu finden, scheiterten. Spätestens 2010 war klar, dass sich die IWC in eine Sackgasse zu manövrieren drohte.

„Aus populationsbiologischer Sicht“, so Karl-Hermann Kock zu den Fangaktivitäten der Japaner, „treten Zwergwale im Südpolarmeer derzeit so zahlreich auf, dass eine gewisse Bejagung den Bestand nicht gefährden würde. Anders sieht das bei Blau-, Finn- oder Buckelwalen aus.“ Doch neben den – noch immer unvollkommenen – wissenschaftlichen Einschätzungen entscheiden vor allem emotionale und wirtschaftliche Gesichtspunkte über den kommerziellen Walfang und damit über das Wohl und Wehe der Walbestände.

Nähere Informationen gibt der attraktiv bebilderte, dreiseitige Beitrag „Wale unter Beschuss“ von Karl-Hermann Kock im ForschungsReport 2/2011. Das Heft kann kostenlos bei der Pressestelle des Thünen-Instituts angefordert werden.

Weiterführende Informationen:
Der 52-seitige ForschungsReport 2/2011 kann kostenlos bezogen werden über die Pressestelle des Thünen-Instituts, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig. Tel.: 0531 / 596-1016, E-mail: michael.welling@vti.bund.de. Der ForschungsReport ist das Wissenschaftsmagazin des Senats der Bundesforschungsinstitute. Online ist er unter http://www.forschungsreport.de zu finden.

PM: Dr. Michael Welling
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

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