Schleswig-Holstein: Das Land ist mit der Planung großer Stromtrassen überfordert

In einer Pressemitteilung äußerte sich heute der Landrat Dieter Harrsen des Kreises Nordfriesland in Schleswig-Holsteins zum derzeit wichtigsten Thema Stromtrassen:

„Einige Bundesländer sind mit der Planung überregionaler Stromtrassen offensichtlich überfordert. Deshalb muss diese extrem bedeutende Aufgabe schleunigst in die Hand des Bundes übergehen“, verlangt der nordfriesische Landrat Dieter Harrsen.

Doch genau das wollen die Länder offenbar verhindern: Der federführende Wirtschaftsausschuss und der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit empfehlen dem Bundesrat, in seiner für morgen angesetzten Sitzung darauf zu bestehen, dass sämtliche Planfeststellungskompetenzen bei den Ländern bleiben.

Von der Idee bis zur Errichtung einer größeren Stromtrasse vergehen heutzutage rund zehn Jahre. Vor Kurzem verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das die Planungs- und Bauzeit auf vier Jahre verkürzen soll. Es sieht vor, die Bundesnetzagentur mit den Planverfahren für die wichtigsten Trassen zu beauftragen. Denn die Hinwendung zu erneuerbaren Energien erfordert den schnellen Ausbau neuer, leistungsfähiger Netze, die den Strom etwa aus dem windreichen Schleswig-Holstein zu den großen Verbrauchern transportieren können.

„In dieser Situation wäre es gegenüber Wirtschaft und Verbrauchern  absolut verantwortungslos, das Hilfsangebot des Bundes leichtfertig auszuschlagen“, stellt Landrat Harrsen fest. In Schleswig-Holstein bliebe damit auch zukünftig der Kieler Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr zuständig – eine Behörde, die das finanzschwache Land nach Harrsens Beobachtung nicht mit ausreichend Personal ausgestattet hat. Zwar begrüßt Harrsen die Initiative der Landesregierung, eine Starkstromleitung an der Westküste zu bauen und die Planverfahren zu beschleunigen: „Ich hege jedoch große Zweifel an der Fähigkeit des Landes, dies ohne Hilfe des Bundes umzusetzen.“

Mehr als 1,9 Millionen Megawattstunden sauberen Strom bringen Wind und Sonne jährlich in die nordfriesischen Netze – mit stark steigender Tendenz. Fachleute sind sich einig: Benötigt wird eine neue 380 Kilovolt-Leitung an der Westküste Schleswig-Holsteins. Und: Sie muss an das europäische Verbundnetz angeschlossen sein. Nur so lassen sich Stromspitzen in großem Rahmen ausgleichen, und nur das staatenübergreifende Netz garantiert eine verlässliche Stromversorgung.

Um so erstaunter reagiert Dieter Harrsen auf die Ankündigung der Landesregierung, die neue Starkstromleitung in Niebüll und damit zehn Kilometer südlich der dänischen Grenze enden zu lassen: „Das konterkariert nicht nur den Gedanken eines europäischen Energieverbundes, sondern schlägt auch die Tür für die Bundeszuständigkeit zu.“ Die sieht der Gesetzentwurf des Bundestages nämlich nur für länder- und staatenübergreifende Trassen vor.

„Wer ehrlichen Herzens für die erneuerbaren Energien eintritt, muss auch für die Einspeisung unseres klimafreundlichen Stroms in das europäische Verbundnetz kämpfen“, erklärt Harrsen. „Wir dürfen bei dieser wichtigen Zukunftsaufgabe nicht in Provinzialismus verfallen.“

Pressedienst: Kres Nordfriesland, Hans-Martin Slopianka

www.nordfriesland.de

Foto: Thomas Siepmann  / pixelio.de

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