Bioenergiedorf Ebbinghof mit nachhaltigem Gesamtkonzept

Im Hochsauerlandkreis hat ein kleines Dorf die Energiewende schon vollzogen: Der aus nur 30 Einwohnern bestehende Ort Ebbinghof der Stadt Schmallenberg im Hawerland (Hochsauerlandkreis) gilt als das erste Bioenergiedorf des Landes Nordrhein-Westfalen. Neben der Landwirtschaft und dem Tourismus lebt das Dorf heute vor allem von der Erzeugung regenerativer Energien – Windenergie, Sonnenergie (Photovoltaik) und Energie aus Biomasse (Holz-Hackschnitzel und Biomethan). Auf diese Weise werden sowohl der Strom als auch der Wärmeenergiebedarf mehr als gedeckt. Das Dorf ist also völlig autark und darüber hinaus auch CO2-neutral.

Die Besonderheit dabei: In Ebbinghof hat man ein Gesamtkonzept entwickelt, welches seinen Schwerpunkt auf das nachhaltige Zusammenspiel der verschiedenen Energien legt. Grund genug für die EnergieAgentur. NRW, die die Projektbeteiligten von Anfang beraten hat, dieses Projekt zum „Projekt des Monats Juni 2011“ zu küren.

Bereits seit 1994 werden mit Hilfe von Windkraft circa 300 MWh Strom erzeugt. Weitere 450 MWh schaffen die Photovoltaikanlagen (die erste wurde im Jahre 2002 in Betrieb genommen) mit 510 kWP installierter Leistung auf den Dachflächen von Wirtschaftsgebäuden. Weitere 2.000 MWh pro Jahr entstehen seit Dezember 2009 in der örtlichen Biogasanlage, welche in ihrem Fermenter genug Biomethan erzeugt um ein Blockheizkraftwerk mit einer Leistung von 250 kW elektrisch und 320 kW thermisch zu betreiben. Die in der Anlage eingesetzte Biomasse, wie z.B. Gülle, Tretmist, Futterreste und Grassilage, fällt vorwiegend vor Ort an.

Der Output, nahezu geruchlose Gärreste, werden als vollwertiger natürlicher Dünger auf den umliegenden Feldern ausgebracht. Abzüglich des Eigenbedarfs von 100 MWh zum Betrieb der Biogasanlage werden somit insgesamt 2.650 MWh ökologischer Strom in das öffentliche Netz eingespeist – genug um circa 690 Haushalte mit Strom zu versorgen. Doch Ebbinghof wäre nicht Ebbinghof, wenn neben dem Strom nicht auch die von der Biogasanlage erzeugte Wärme vollständig genutzt würde. Circa 800 MWh sind zur Beheizung der Fermenter notwendig. Die verbleibenden 1.200 MWh Restwärmeleistung (welche bei anderen Anlagen häufig ungenutzt bleibt) werden in das eigens dafür installierte, 600m lange Nahwärmenetz eingespeist und ersetzen somit rund 200.000 Liter Heizöl, die erforderlich wären um die Ebbinghofener Familien und Betriebe mit Wärme zu versorgen.

Spitzenlasten werden dabei durch eine in das System integrierte Holzhackschnitzelfeuerung abgesichert. Die Anlage besteht aus zwei Modulen à 250 kWh und erzeugt circa 1.500 MWh Wärmeenergie pro Jahr. Dazu werden vor allem vor Ort anfallende forstwirtschaftlich Resthölzer verwendet, die sonst kaum zu vermarkten wären. Der Brennstoff wird der Anlage vollautomatisch zugeführt und dosiert. Die Erweiterung der Anlage um circa 800 MWh und eine Kopplung mit der Biogasanlage sind ebenfalls geplant. Insgesamt wird der Ort schon heute autark mit der benötigten Wärmeenergie versorgt.

Die Kombination der verschiedenen Bioenergien, wie sie in Ebbinghof realisiert wurde ist beispielhaft: es entstehen nicht nur Synergieeffekte zwischen dem Tourismusstandort und dem Bioenergiedorf Ebbinghof, sondern auch positive Impulse für die regionale Wirtschaft, da die Wertschöpfung und Investition (seit 1994 circa 3 Millionen Euro) in der Region verbleiben.

Projektdaten im Überblick

Adresse:
Ebbinghof, 57392 Schmallenberg

Windkraft:
300 MWh Strom p.a.

Photovoltaik:
450 MWh Strom p.a.

Biogasanlage:
2.000 MWh Strom p.a. (100 MWh Eigenbedarf)
2.000 MWh Wärme p.a (800 MWh Eigenbedarf)
Input: Gülle, Tretmist, Futterreste, Grassilage etc.

Hackschnitzelheizung:
1.500 MWh Wärme p.a.
Input: Holzhackschnitzel aus örtlichen Resthölzern

Nahwärmenetz:
Circa 600 m Länge, 380 kW Wärmeanschluss

Gesamtinvestition:
Circa 3 Millionen Euro seit 1994

Kontakt:
Dorfgemeinschaft Ebbinghof
Johannes Tigges
Ebbinghof 5
57392 Schmallenberg
Tel.: 02972 / 97550

Weitere Informationen:
www.ebbinghof-live.de
www.ebbinghof.de

 

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